Wenn Wien die Weichen stellt, weitet sich Olympia-Frage aus

6. März 2013, 19:18
1 Posting

Über Auswirkungen und Kosten einer Bewerbung, geschweige denn des Events, wurde die Bevölkerung weitgehend im Unklaren gelassen. Klar ist, dass ganz Österreich betroffen wäre.

Die Wiener wurden, was mögliche Olympische Sommerspiele 2028 betrifft, nicht mit zu viel Information verwirrt. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass die Stadtregierung diese Frage nur deshalb in den Katalog aufgenommen hat, um das Interesse an der Befragung insgesamt anzukurbeln.

Dafür spricht, dass Bürgermeister Michael Häupl zunächst selbst die zuständige Institution überging - schließlich bewirbt sich keine Stadt, sondern das Olympische Komitee, also das ÖOC, beim IOC. Dafür spricht auch, dass die Möglichkeit von Winterspielen in und um Wien nicht zur Debatte stand, was in ÖOC-Kreisen und auch ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel verwunderte.

Differenz bei Bewerbungskosten

Und dafür spricht, dass selbst die SPÖ bei den Bewerbungskosten auf keinen grünen Zweig kam. Klubobmann Rudolf Schicker sprach von 80 bis 100, Sportstadtrat Christian Oxonitsch von 20 bis 25 Millionen Euro. Die Differenz blieb unerklärt. Orientieren kann man sich daran, dass das Gesamtbudget der Spiele 2012 in London bei gut zwölf Milliarden Euro lag.

Im Raum steht, dass sich Wien einen Partner zur Ausrichtung der Spiele suchen könnte. Bratislava würde naheliegen. Der finanzielle Unterschied wäre groß, ist aber so theoretisch, dass er in den Überlegungen keine Rolle spielen darf. So oder so müssten in Wien ungeheure Bauvorhaben durchgezogen werden, wobei es keine Pläne gibt, wo ein Olympisches Dorf für 15.000 Menschen oder ein Olympisches Zentrum mit Sportstätten entstehen könnte.

Novum Sommerspiele

Sommerspiele in Österreich wären ein Novum. Die Winterspiele in Innsbruck liegen lange zurück (1964, 1976). Zweimal scheiterte Salzburg als Kandidat für Winterspiele (2010, 2014), hierauf kam es ob dubioser Geldflüsse zu Ermittlungen der Justiz, letztlich auch zum Skandal um Ex-ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth, der nicht rechtskräftig fünf Jahre Haft ausfasste.

Olympia in Wien würde nicht nur die Stadt betreffen, "sondern weite Teile Österreichs erfassen", erklärte Oxonitsch dem STANDARD. So könnten die Stadien der EM 2008 (Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt) ebenso eingebunden werden wie das mit finanziellen Problemen kämpfende Multiversum in Schwechat oder die Arena Nova in Wiener Neustadt. Die Hauptstadt bietet derzeit kaum einer der 41 olympischen Sportarten eine adäquate Infrastruktur.

  • Wenn Mehrheit für Ja: Da sich Bund und Stadt die Kosten teilen, führt kaum ein Weg an einer bundesweiten Volksbefragung vorbei.
  • Wenn Mehrheit für Nein: Wien sieht sich bestätigt, schiebt überfällige Infrastrukturmaßnahmen für Spitzensport weiter auf. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 7.3.2013)
  • Rot-Grün stellt den Wienern bis Samstag vier Fragen.
    foto: der standard

    Rot-Grün stellt den Wienern bis Samstag vier Fragen.

Share if you care.