"Fuck", das ist sein erstes Wort: Til Schweiger als "Tatort"-Kommissar

6. März 2013, 18:11
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Der Schauspieler erfüllt am Sonntag als "Tatort"-Kommissar alle Erwartungen - Als Nick Tschiller ist er der gebrochene Held in fast allen Lebenslagen - Den Hamburger Kiez befreit er vom Mädchenhandel, am Eierkochen fürs Kind scheitert er

Wien - Til Schweiger eröffnet standesgemäß: "Fuck." Mit diesem ersten Wort des neuen Tatort-Kommissars Nick Tschiller ist eigentlich alles gesagt. Der Zuschauer weiß, wohin die Reise geht. Und erst recht, als kurz danach Fäuste fliegen und Kugeln pfeifen. Nick Tschiller, geschieden, eine Tochter und neuerdings am Hamburger Kommissariat, ist ein rauer Bursche, natürlich mit zerbrechlichem Inneren. Und er ist cool, sehr cool.

Gespür für den Fettnapf

Kommenden Sonntag tritt Tschiller seinen Dienst an, und es gab in der Geschichte des Tatort nicht viele Kommissare, deren Premiere mit mehr Spannung erwartet wurden. Das hat nur zum Teil mit dem Bekanntheitsgrad des Hollywood-Schauspielers zu tun, sondern auch mit Schweigers sicherem Gespür für den Fettnapf: Der Vorspann sei veraltet und gehöre ausgetauscht, meckerte der Schauspieler, was entweder ein gut gesetzter PR-Gag war oder einfach der unüberlegte Satz eines Berufsnörglers. Jedenfalls brach Schweiger ein Sakrileg und löste einen Shitstorm aus: Tatort-Verehrer hassen Veränderung.

Schweiger ist der siebente Kommissar in Hamburg, der Geburtsstadt der Krimireihe. Der erste Ermittler war Hauptkommissar Trimmel (Walter Richter) am 29. November 1970 mit Taxi nach Leipzig. Danach gab es ausdauernde (Manfred Krug, Robert Atzorn) und weniger ausdauernde Polizisten in der Elbmetropole (Horst Bollmann, Hannelore Elsner, Cenk Batu). Schweigers Kompagnon ist Fahri Yardim.

Kult um den "Tatort"

Mit dem actionbetonten Auftritt des Neulings darf der Norddeutsche Rundfunk mit Zuschauerrekorden rechnen. Der Kultstatus des "Tatort" wirkt stärker denn je. Die ARD nutzt die gegenwärtige Euphorie und schleust Ermittlerpaar um Ermittlerpaar ein. Inzwischen schnüffeln mehr als 40 Kriminologen in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Die Qualität schwankt stark, doch Schwächen schaden dem "Tatort" nicht mehr: Mit Kultcharakter ist die Reihe zum Selbstläufer geworden. Demzufolge werden sie Schweiger lieben, denn der neue Kommissar erfüllt die Erwartungen zu hundert Prozent: Schweiger gefällt sich im für ihn charakteristischen Habitus des Redens, ohne den Mund aufzumachen. Als Einzelgänger ist er unter Kollegen unbeliebt. Leichen pflastern seinen Weg, und der Friede am Kiez ist dahin. "Bei uns werden Verdächtige festgenommen", insistiert der Vorgesetzte. "Das wollte er aber nicht", schnauzt Nick. Ein Mann muss tun, was er tun muss.

Weiche Eier

Was den Fall betrifft, so gehen Autor Christoph Darmstädt und Regisseur Christian Alvart auf Nummer sicher. Mädchenhandel soll für maximale Betroffenheit im Publikum sorgen. Zwischen zwei Actionszenen versorgt Nick die pubertierende Tochter (Schweigers Tochter Luna), was nicht einfach ist: Tschiller kommt täglich mit neuen Verletzungen heim, aber das Kind interessiert sich für das weiche Ei, das der "Papa nicht hinkriegt". Egal, sie wie auch der Fall dienen als Kulisse für Action und Kugelhagel nach "Die Hard"-Manier: "Ich hol euch hier raus." Die Hoffnung stirbt zuletzt. (Doris Priesching, DER STANDARD, 7.3.2013)

  • Täglich mehr Schrammen: Til Schweiger bekommt als Hamburger "Tatort" -Kommissar Nick Tschiller mächtig Prügel.
    foto: ndr/marion von der mehden

    Täglich mehr Schrammen: Til Schweiger bekommt als Hamburger "Tatort" -Kommissar Nick Tschiller mächtig Prügel.

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