Sich knipsend mit Malerei aussöhnen

6. März 2013, 18:04
posten

Die Galerie Knoll beleuchtet ein wichtiges Intermezzo in der Karriere des ungarischen Malers Ákos Birkás: "Fotografien 1975-1978" - analytische Experimente

Wien - "Ich bin Maler", sagt der ungarische Künstler Ákos Birkás (geboren 1941 in Budapest) von sich. Seine großen, realistischen Leinwände kreisen um die fundamentalen Fragen des Lebens, die Konflikte des Weltgeschehens: hier afrikanische Kindersoldaten mit der Kalaschnikow auf den Knien, dort Demonstrationen islamistischer Fanatiker. Und doch gab es eine Zeit, in der der Maler Birkás nicht mehr Maler sein konnte. "Malerei war eine Sprache, die zum Diskurs der offiziellen Machthaber gehörte." Er ertrug es nicht mehr, dass seine Gemälde benutzt werden könnten, dass sie "in die widerliche Kanalisation manipulierter Kommunikation geraten könnten".

Ein kritischer Punkt in der Karriere eines Künstlers, der im vollen Bewusstsein aufgewachsen war, dass der Realismus der kulturellen Doktrin in den osteuropäischen Ländern entspricht. Man forderte Realismus, er zeigte Realität. Etwa in der Serie Neues Haus (1972/73), in der Birkás Gemälde trister, kleiner Häuschen, die auf Blumentapeten hängen, abbildete: das vorläufige Ende seiner Malerei. Er begann zu fotografieren. Diese Zeitspanne - 1975 bis 1978 - steht auch im Fokus seiner Einzelschau in der Galerie Knoll.

Das Medium Fotografie war aber auch keines, dessen Technik den Künstler interessierte. Birkás, der Maler, nutzte sie lediglich, um sein zwiespältiges Verhältnis zur ohnehin überall fett in der Krise steckenden Malerei zu untersuchen. Und so führte ihn der Weg zum Museum der schönen Künste in Budapest: Zunächst verewigte er rechteckige - also tafelbildformatige - Spuren an der Fassade, hervorgerufen von abgebröckeltem Putz oder Mauerfugen.

Abstand gewinnen

Dann folgte er den Besuchern hinein, schoss ihnen beim Betrachten über die Schulter, fing Reflexionen auf den Gläsern ein, die zu reizvollen Bildüberlagerungen führen konnten, aber auch zur Auslöschung des Bilds. Er knipste Raumecken oder die Schnüre, an denen die Alten Meister hingen. Manches wirkt wie ein verunglücktes Foto eines Dilettanten; aber im Experimentieren mit Perspektiven und Schärfe liegt eine erfrischende Analyse.

In jener Zeit entstanden auch Porträtserien, die einem "ausgiebigen Zusammensein mit jemandem" entsprechen sollten, statt allen Ausdruck in ein Bild zu stecken. Damit beschritt er auch den Weg zurück zur Malerei, zu den ihn zwanzig Jahre lang beschäftigenden ovalen, abstrakten Köpfen. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 7.3.2013)

Bis 30. 3., Knoll Galerie
Gumpendorfer Straße 18, 1060 Wien

www.knollgalerie.at

  • Ákos Birkás inszenierte sich 1978 nicht nur als Rembrandt an der Staffelei, sondern auch als ermatteter Nachtarbeiter.
    foto: knoll galerie / ákos birkás

    Ákos Birkás inszenierte sich 1978 nicht nur als Rembrandt an der Staffelei, sondern auch als ermatteter Nachtarbeiter.

Share if you care.