Universitäre Lehre im Schattendasein

6. März 2013, 18:55
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Forum Hochschule stellt Forderungen an die Qualität der Hochschuldidaktik

Wien - Nur 22 Prozent der Studierenden empfinden die Qualität der Lehre an Österreichs Universitäten als gut, besagt eine Sora-Umfrage, die im Rahmen des Forums Hochschule der Hochschülerschaft (ÖH) durchgeführt wurde. Um dem entgegenzuwirken, wurde vom Wissenschaftsministerium, der Universitätenkonferenz und der ÖH der Staatspreis "Ars Docendi" für exzellente Lehre gegründet. Der Preis soll in sieben Fachkategorien alle zwei Jahre vergeben und mit je 5000 Euro dotiert werden. Für die ÖH ist der Lehrpreis nur ein erster Schritt: "Ihm müssen viele weitere folgen, um die Lehre wieder ins Rampenlicht zu rücken."

Laut der Arbeitsgruppe des Forums Hochschule zur Qualität der Lehre sollen die Rahmenbedingungen der Didaktik verändert werden - unter anderem durch finanzielle Absicherung und gebotene Zukunftsperspektiven für Lehrende.

Dahingehend sieht Susanne Tschida, Jungwissenschafterin am Institut für Bildungswissenschaften in Wien, Aufholungsbedarf, vor allem im Bereich der Praedoc-Stellen: "Das Problem ist, dass wir nur noch für Teilzeitstellen angestellt und nach vier Jahren Lehrtätigkeit in die Freiheit entlassen werden." Daher stelle sich die Frage, wo man als Jungwissenschafter Prioritäten setze.

Entweder in nach außen sichtbaren Bereichen wie Publikationen oder in jenem "unsichtbaren" Bereich der forschungsgeleiteten Lehre. Nur 14 Prozent der Befragten geben an, dass sie ausreichend Forschungserfahrungen in ihrem Studium sammeln konnten. Durch Einbindung von Studierenden in die Forschung müsse die Einheit mit der Lehre verstärkt werden, meint das Forum.

Didaktisierung der Lehre

Eine weitere Forderung des Forums ist, die Gestaltung von Lehrveranstaltungen mithilfe von "Methodenvielfalt" und sogenannten " Learning Outcomes" zu verbessern, in denen das Wissen und die Fähigkeiten der Studierenden nach Absolvierung der Lehrveranstaltung vorab beschrieben werden sollen. Die Anwendung didaktischer Methoden sieht Tschida als zentral an, doch müsse man sich vor einer Didaktisierung der Lehre in Acht nehmen. "Man kann nicht - so wie es das Forum Hochschule macht - überinhaltliche Methoden formulieren und meinen, dass diese jeden Gegenstand entsprechend vermitteln können." Die Methoden müssten an den Lehrinhalt gebunden sein.

Biologie-Studentin Lena Campostrini plädiert für Interaktivität anstatt Frontalunterricht. Um diesem Ideal entgegenzukommen, will das Forum Hochschule einen "Paradigmenwechsel vom Teaching Centered Learning zum Student Centered Learning". Letzteres Modell ist ein Ziel des Bologna-Prozesses und soll die Interessen und Bedürfnisse der Studierenden ins Zentrum stellen - nur drei Prozent der Befragten führen an, dass dies derzeit der Fall ist.

Eine inakzeptable Forderung, für Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Im Rahmen einer Diskussion des Forums Hochschule kritisierte er den Ansatz: "An der Universität hat das Fach zu interessieren und nicht der Studierende, dieser hat sich dem Fach anzubequemen."

Neben dem "Student Centered Learning"-Ansatz soll die Mitsprache der Studierenden durch eine bessere Feedbackkultur gesteigert werden. Evaluierungen von Lehrveranstaltungen seien oft nicht transparent und es würden keine Konsequenzen daraus gezogen werden, kritisiert das Forum Hochschule.

Hier müsse am Anfang der Lehrtätigkeit etwas passieren, steht für Campostrini fest, da sich "Lehrende, die sich halbwegs etabliert haben, kaum mehr ändern werden". Auch Tschida sieht in der Durchführung ein Problem, da man sich frage, ob es sich hierbei nicht nur um ein " scheindemokratisches" Mitbestimmungsrecht handle. (Selina Thaler, DER STANDARD, 7.3.2013)

Universitäre Lehre im Schattendasein Forum Hochschule stellt Forderungen an die Qualität der Hochschuldidaktik

Selina Thaler

Wien - Nur 22 Prozent der Studierenden empfinden die Qualität der Lehre an Österreichs Universitäten als gut, besagt eine Sora-Umfrage, die im Rahmen des Forums Hochschule der Hochschülerschaft (ÖH) durchgeführt wurde. Um dem entgegenzuwirken, wurde vom Wissenschaftsministerium, der Universitätenkonferenz und der ÖH der Staatspreis "Ars Docendi" für exzellente Lehre gegründet. Der Preis soll in sieben Fachkategorien alle zwei Jahre vergeben und mit je 5000 Euro dotiert werden. Für die ÖH ist der Lehrpreis nur ein erster Schritt: "Ihm müssen viele weitere folgen, um die Lehre wieder ins Rampenlicht zu rücken."

Laut der Arbeitsgruppe des Forums Hochschule zur Qualität der Lehre sollen die Rahmenbedingungen der Didaktik verändert werden - unter anderem durch finanzielle Absicherung und gebotene Zukunftsperspektiven für Lehrende.

Dahingehend sieht Susanne Tschida, Jungwissenschafterin am Institut für Bildungswissenschaften in Wien, Aufholungsbedarf, vor allem im Bereich der Praedoc-Stellen: "Das Problem ist, dass wir nur noch für Teilzeitstellen angestellt und nach vier Jahren Lehrtätigkeit in die Freiheit entlassen werden." Daher stelle sich die Frage, wo man als Jungwissenschafter Prioritäten setze.

Entweder in nach außen sichtbaren Bereichen wie Publikationen oder in jenem "unsichtbaren" Bereich der forschungsgeleiteten Lehre. Nur 14 Prozent der Befragten geben an, dass sie ausreichend Forschungserfahrungen in ihrem Studium sammeln konnten. Durch Einbindung von Studierenden in die Forschung müsse die Einheit mit der Lehre verstärkt werden, meint das Forum.

Didaktisierung der Lehre

Eine weitere Forderung des Forums ist, die Gestaltung von Lehrveranstaltungen mithilfe von "Methodenvielfalt" und sogenannten " Learning Outcomes" zu verbessern, in denen das Wissen und die Fähigkeiten der Studierenden nach Absolvierung der Lehrveranstaltung vorab beschrieben werden sollen. Die Anwendung didaktischer Methoden sieht Tschida als zentral an, doch müsse man sich vor einer Didaktisierung der Lehre in Acht nehmen. "Man kann nicht - so wie es das Forum Hochschule macht - überinhaltliche Methoden formulieren und meinen, dass diese jeden Gegenstand entsprechend vermitteln können." Die Methoden müssten an den Lehrinhalt gebunden sein.

Biologie-Studentin Lena Campostrini plädiert für Interaktivität anstatt Frontalunterricht. Um diesem Ideal entgegenzukommen, will das Forum Hochschule einen "Paradigmenwechsel vom Teaching Centered Learning zum Student Centered Learning". Letzteres Modell ist ein Ziel des Bologna-Prozesses und soll die Interessen und Bedürfnisse der Studierenden ins Zentrum stellen - nur drei Prozent der Befragten führen an, dass dies derzeit der Fall ist.

Eine inakzeptable Forderung, für Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Im Rahmen einer Diskussion des Forums Hochschule kritisierte er den Ansatz: "An der Universität hat das Fach zu interessieren und nicht der Studierende, dieser hat sich dem Fach anzubequemen."

Neben dem "Student Centered Learning"-Ansatz soll die Mitsprache der Studierenden durch eine bessere Feedbackkultur gesteigert werden. Evaluierungen von Lehrveranstaltungen seien oft nicht transparent und es würden keine Konsequenzen daraus gezogen werden, kritisiert das Forum Hochschule.

Hier müsse am Anfang der Lehrtätigkeit etwas passieren, steht für Campostrini fest, da sich "Lehrende, die sich halbwegs etabliert haben, kaum mehr ändern werden". Auch Tschida sieht in der Durchführung ein Problem, da man sich frage, ob es sich hierbei nicht nur um ein " scheindemokratisches" Mitbestimmungsrecht handle.

Hinweis: Die zweite Auflage von Forum Hochschule, die sich wieder der Hochschuldidaktik sowie dem barrierefreien Studieren und der Situation für ausländische Studierende widmet, erscheint demnächst.

Hinweis:

Die zweite Auflage von Forum Hochschule, die sich wieder der Hochschuldidaktik sowie dem barrierefreien Studieren und der Situation für ausländische Studierende widmet, erscheint demnächst.

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