USA: Die goldenen Regeln der Uni-Spekulationsgeschäfte

6. März 2013, 18:55
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Staatlichen Hochschulen ist das Anlegen von Geld in den USA untersagt - in Eliteunis arbeiten hingegen ganze Managementabteilungen am Kapitalzuwachs. Die Basis für die finanzielle Stabilität von Harvard und Yale bilden nicht Unigebühren, sondern Börsengeschäfte

Boston - Während hierzulande die Hochschulkassen leer sind, schwimmen US-amerikanische Universitäten wie Harvard und Yale im Geld. Dieser Reichtum zehrt aber nicht nur von horrenden Semesterbeiträgen oder großzügigen Spenden. Die Universitäten vermehren ihr Kapital, indem sie im großen Stil an den Finanzmärkten spekulieren.

Gemessen an ihrem Kapital sind viele US-Universitäten Großunternehmen und hängen als private Hochschulen von ihrem Stiftungsvermögen ab: Harvards Jahreseinnahmen setzten sich 2012 zu 20 Prozent aus Studiengebühren zusammen, während die Stiftung 32 Prozent beisteuerte, was jedoch nur einen Bruchteil des eigentlichen Stiftungskapitals von um die 31 Milliarden US-Dollar (rund 24 Milliarden Euro) ausmachte.

Der Großteil wird anderweitig gebraucht: Es ist Aufgabe der universitären Finanzchefs, das Geld nicht nur zu sichern, sondern es auch zu vermehren. Ganze Managementabteilungen werden beschäftigt, um die Hochschulgelder anzulegen. Der Kapitalzuwachs der Harvard-Stiftung ergab sich zuletzt nur zu 20 Prozent aus Spenden, während 80 Prozent aus Investitionen stammten. Und mit diesen Geschäften sind die Campusbörsianer langfristig sogar erfolgreicher als ihre Kollegen an der Wall Street.

Zwei lukrative Regeln

Grundsätzlich folgen die Universitäten zwei Maximen. Der Finanzexperte Matthew Tuttle schreibt in seinem Buch Die unschlagbaren Investmentstrategien von Harvard und Yale: "Die Stiftungen verfolgen zwei Hauptziele: Erstens: kein Geld zu verlieren. Zweitens: einen hohen reellen Ertrag zu erwirtschaften, sodass die Universität vom Ertrag ihre Kosten bestreiten kann und nicht das Grundkapital angreifen muss." Das klingt nach keinem Geheimrezept, sondern nach simplem Menschenverstand. Jedoch ist solch eine Denkweise im Finanzwesen nicht immer selbstverständlich. So sagt der renommierte Ökonom Nouriel Roubini: " Gier gehörte schon immer bei den Finanzmärkten dazu, und das wird auch in Zukunft so bleiben." Investmentbanker gehen meist hohe Risiken ein im Bewusstsein, einen Verlust schnell mit dem nächsten Gewinn zu kompensieren.

Genauso schielen Anleger eher auf schnelle Gewinne, anstatt nachhaltig zu investieren und Vorsorgen für Einbrüche zu treffen. Die Universitäten scheuen solche Zockereien: Schließlich können sich Verluste der Investmentabteilung dramatisch auf die Universität auswirken. Im Zuge der Finanzkrise 2008 sah sich die in Schwierigkeiten geratene Brandeis University, eine anerkannte Kunsthochschule, gezwungen, die eigene Kunstsammlung zu veräußern. Dieser Ausverkauf wurde aber nach öffentlichen Protesten abgeblasen.

Auch wenn man verhältnismäßig gut durch die Finanzkrise kam, ging der Börsenkrach 2008 an Harvard und Yale nicht spurlos vorbei. Die Krise in ihrer Gesamtheit beeinträchtigte auch ihre Geschäfte - vor allem deshalb, weil das Geld in langfristigen Finanzprodukten angelegt ist, die nicht schnell abgestoßen werden können. Die Universitäten behalfen sich mit Erhöhungen der Studiengebühren. Den Vermögenstand vor der Krise hat man noch nicht wieder erreicht, aber man ist aus dem Gröbsten heraus.

Der Verdacht, dass man sich bei Spekulationen auch häufig die Finger schmutzig macht, bleibt auch hier nicht aus: So sollen laut der englischen Zeitung The Guardian die Universitäten Harvard und Vanderbilt in Fonds investiert haben, die in Vertreibungen und Landraub in Afrika verwickelt sind.

Will man den Investmentprofessoren ein Gesicht geben, wäre es wohl das von Yales Finanzdirektor David Swensen: 1985 wechselte der damalige Vizepräsident von Goldman Sachs auf den Campus in Connecticut und erwirtschaftet dort verlässlich Renditen, die die freie Wirtschaft staunen machen: Über die letzten 20 Jahre schaffte man jährlich durchschnittlich fast 14 Prozent.

Swensens Erfolgsrezept, das viele andere US-Universitäten übernahmen, heißt "Diversifikation": Yales Portfolio ist breit gestreut und setzt sich aus allen großen Anlageklassen zusammen. Die größten Anteile stecken in Immobilien, Hedgefonds und Kapitalbeteiligungen. So bringen die gewöhnlichen Verluste und Kurseinbrüche nicht die gesamte Wertanlage zum Taumeln, vielmehr hat man bei Einbrüchen Absicherungen in der Hinterhand.

Vermögen als Basis

Swensen betrachtet das Vermögen als Basis für die hochdekorierte Arbeit der amerikanischen Eliteuniversitäten: "Das Stiftungsvermögen ermöglicht eine größere Unabhängigkeit, bietet organisatorische Stabilität und erleichtert herausragende Bildungsleistungen." Ohnehin versteht sich Swensen eher als Universitätsmitarbeiter denn als Manager.

Seit fast dreißig Jahren hält er Yale die Treue, obwohl es aufgrund der Erfolge lukrative Angebote aus der Wirtschaft gab. Er hat seine Erkenntnisse in zwei Büchern niedergeschrieben und hält immer wieder Proseminare an der Yales Business School. Laut Swensen ist das Stiftungsinvestment erheblich herausfordernder als die Spekulationen der Investmentbanken: Trotz der Schnelllebigkeit des Geschäfts gilt es langfristig zu wirtschaften und die Universität nicht nur auf Sicht finanziell abzusichern: "Weil Colleges und Universitäten auf Dauer angelegt sind, wird die Verwaltung des Stiftungsvermögens zum faszinierendsten Unternehmen der Welt." Ganz im akademischen Sinn: Spielen kann jeder, Wissen anwenden nicht. (Johannes Lau, DER STANDARD; 7.3.2013)

Buchtipps:

David F. Swensen: "Erfolgreich investieren. Strategien für Privatanleger". Murmann-Verlag, Hamburg 2007, 480 Seiten, € 70

Matthew Tuttle: "Die unschlagbaren Investmentstrategien von Harvard und Yale". FinanzBuch-Verlag, München 2010, 320 Seiten, € 30,80

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    Eliteunis wie Harvard und Yale lukrieren 80 Prozent ihres Kapitalzuwachses durch Börsenspekulationen.

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