Windrad als Pensionsvorsorge

6. März 2013, 18:46
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Wie Wien bei erneuerbarer Energie aufholen will

Beim Thema erneuerbare Energie hat Wien einen echten Standortnachteil. Im Ballungsraum fehlen die Flächen, um etwa Windparks zu errichten; und eine ganze Hausgemeinschaft dazu zu bringen, einer Photovoltaikanlage am Dach eines Mehrparteienhauses zuzustimmen, ist deutlich schwieriger, als einen einzigen Häuslbauer auf dem Land dazu zu motivieren.

Nachholbedarf in Wien

Der Nachholbedarf Wiens im Vergleich zu den Flächenbundesländern lässt sich anhand der Zahlen für die Ökostromförderung ablesen. Jeder Stromverbraucher zahlt eine entsprechende Abgabe. Jene, die Ökostrom ins System einspeisen, werden - je nach Energie-Art - mit ein paar Cent pro Kilowattstunde "belohnt". Einsamer Spitzenreiter im Geld-Abholen ist Niederösterreich, wo zwischen 2007 und 2011 mehr als eine Milliarde Euro an Ökostrom-Tarifförderung lukriert werden konnte.

Zum Vergleich: In Wien lag die Zahl im selben Zeitraum deutlich unter 100 Millionen Euro. Dabei zahlen die Wiener Betriebe und Haushalte in Summe den Löwenanteil der Ökostrom-Abgabe.

Ausverkaufte Bürgersolarkraftwerke

An der Bereitschaft der Wiener, in neue Energie zu investieren, mangelt es nicht. Die vier Bürgersolarkraftwerke in Donaustadt, Leopoldau, Simmering und Liesing sind ausverkauft. Ein Paneel kostet 950 Euro, Wien Energie least wiederum die Anlage von den Besitzern, deren Geld mit 3,1 Prozent verzinst wird. Die Anteile können jederzeit an den Betreiber zurückverkauft werden. Derzeit steht die Planung, alles harrt der Entscheidung der Bürger. Rot-Grün stellt ihnen folgende Frage: "Soll die Stadt nach dem Beispiel der BürgerInnen-Solarkraftwerke weitere erneuerbare Energieprojekte entwickeln, die mit finanzieller Beteiligung der BürgerInnen realisiert werden?"

Investitionen außerhalb der Stadtgrenze

Zuständig dafür ist die MA 20, dort hat man sich auch schon internationale Beispiele für Bürgerbeteiligung angeschaut. So investiert etwa Kopenhagen in Off-Shore-Windparks. In Wien versucht man, außerhalb der Stadtgrenze zu denken: Es spreche ja nichts dagegen, wenn man mit dem Geld der Wiener in Niederösterreich oder im Burgenland in erneuerbare Energie investieren würde, meint Bernd Vogl, Leiter der MA 20. Und nicht zuletzt könnten die Wiener dies Zeiten volatiler Finanzmärkten auch als Form der Pensionsvorsorge sehen.

  • Wenn Mehrheit für Ja: Die Wiener können mehr Geld in innovative Konzepte für erneuerbare Energie investieren.
  • Wenn Mehrheit für Nein: Die Wiener können sich weiterhin an Solarkraftwerken beteiligen. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 7.3.2013)
  • Rot-Grün stellt den Wienern bis Samstag vier Fragen.
    foto: der standard

    Rot-Grün stellt den Wienern bis Samstag vier Fragen.

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