Gemobbt wird immer noch überwiegend in der realen Welt

9. März 2013, 17:37
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Schweizer Forscher sehen keine eigene "Qualität" des Cybermobbings, nur eine Verlängerung herkömmlichen Mobbings

Bern - Cybermobbing sorgt seit Jahren für Schlagzeilen - möglicherweise wird das Phänomen aber in seinem Ausmaß überschätzt, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) berichtet. Zu diesem Schluss sind zwei aktuelle Studien gekommen, denenzufolge Mobbing nach wie vor in erster Linie außerhalb der digitalen Sphäre stattfindet.

Digitale Fortführung eines altbekannten Phänomens

Psychologen der Pädagogischen Hochschule Thurgau sowie der Universitäten Zürich und Bern haben rund 950 Jugendliche im Alter von 13 und 14 Jahren aus den Kantonen Tessin, Wallis und Thurgau mehrmals befragt. Cybermobbing – darunter fallen Email- und SMS-Nachrichten sowie die Kommunikation in Chats und auf Plattformen wie Facebook – ist demnach etwa dreimal weniger häufig als Mobbing in der realen Welt.

"Die Ansicht, dass alle Jugendlichen dank der neuen Möglichkeiten gedankenlos drauflosmobben, ist weit von der Realität entfernt", sagt Sonja Perren von der Pädagogischen Hochschule Thurgau. Die Forschenden sehen Cybermobbing eher als Verlängerung herkömmlichen Mobbings in die neuen Kommunikationsräume hinein, nicht als eigenständiges Phänomen. Im Cyberspace werden häufig diejenigen Jugendlichen als Mobber auffällig, die ohnehin zu aggressivem und antisozialem Verhalten neigen. Eine Rolle spielt erwartungsgemäß auch die Zeit, die Jugendliche im Internet verbringen. Faktoren wie das Geschlecht oder die Empathiefähigkeit sind dagegen vernachlässigbar.

Experten: Klassische Antimobbingprävention sollte ausreichen

Die Jugendlichen wurden auch dazu befragt, als wie belastend sie verschiedene Formen von Mobbing einschätzen. Auch hier zeigt sich, dass Cybermobbing keine neue Dimension hat, was die wahrgenommenen negativen Auswirkungen angeht. Für die Jugendlichen rangiert zwar das anonyme und öffentliche Mobbing in der digitalen Sphäre als schlimmstes Szenario, doch als fast ebenso schlimm wird das herkömmliche Mobbing empfunden, wenn es ebenso öffentlich und anonym erfolgt. Das Medium per se wird also nicht als angsteinflößend wahrgenommen, sondern höchstens sein Potenzial, anonyme und weite Kreise ziehende Angriffe zuzulassen.

Nach Ansicht der Forschenden brauche es daher keine speziell gegen Cybermobbing gerichtete Prävention, sondern "nur" die klassische Antimobbingprävention. Die frühe Aufdeckung potenzieller Fälle und die Vermittlung von Sozialkompetenzen und moralischen Werten greife auch in der digitalen Sphäre.  (red, derStandard.at, 9. 3. 2013)

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