Industriellenvereinigung fürchtet um Lehrlinge

6. März 2013, 14:39
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Lehrberufe von drei Seiten unter Druck: Weniger Jugendliche, Trend zur höheren Bildung, fehlende Eignung

Wien - Die Industriellenvereinigung (IV) fürchtet um die Lehrlinge und in Folge um die Fachkräfte in den Betrieben. Von drei Seiten komme die Lehrlingsausbildung derzeit unter Druck, schilderte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien: Durch den demografischen Wandel gebe es weniger junge Menschen, von diesen würde eine große Gruppe immer stärker zur höheren Bildung tendieren, und bei immer mehr jungen Leuten passe die Eignung nicht mehr mit den Anforderungen einer Lehre zusammen. Daher müsse die Schulbildung verbessert werden und die Vorzüge der Lehre hervorgehoben werden, wünscht sich die IV.

Für die Industrie seien gut ausgebildete Fachkräfte extrem wichtig. Derzeit besuchen rund 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler der zehnten Schulstufe eine Lehre. Bei einer IV-Umfrage 2012 klagten neun von zehn Unternehmen über Probleme bei der Deckung des Fachkräftebedarfs im Bereich Technik bzw. Produktion. Ein Viertel der Lehrbetriebe konnte 2012 nicht alle Lehrstellen besetzen. Dabei sei Österreich mit seiner dualen Ausbildung international ein Vorzeigeland, schilderte Gerhard Riemer, IV-Bereichsleiter für Bildung, Innovation und Forschung. Er warnte vor einer "Akademisierung".

"Role Models"

Gerade technische Berufe hätten große Zukunft, der Anteil der Mädchen bei technischen Lehrberufen sei weiterhin gering, so die Personalleiterin der Bosch Gruppe Österreich, Johanna Hummelbrunner. Eine Möglichkeit, junge Frauen stärker für technische Berufe zu begeistern, sieht sie in "Role Models" im Fernsehen. In TV-Sendungen oder -Serien mit Technikerinnen könnten Vorbilder präsentiert werden. Der Einfluss sei nicht zu unterschätzen: So habe die US-Fernsehserie "Big Bang Theory" nachweislich das Interesse von jungen Briten an Physik gesteigert. Der Anteil von Frauen in forensischen Ausbildungen sei durch diverse TV-Serien (CSI) ebenfalls gewachsen.

Die am häufigsten ergriffenen Lehrberufe sind laut einer Statistik der Wirtschaftskammer Österreich bei Burschen Metalltechnik, Elektrotechnik und Kfz-Technik. Bei Mädchen führt der Einzelhandel vor der Bürokauffrau und der Friseurin. Erst an siebenter Stelle findet sich mit der pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenz bei Mädchen ein eher naturwissenschaftlich orientierter Beruf. Immerhin an elfter Stelle liegt bei Mädchen der Lehrberuf Metalltechnik, noch vor der Konditorlehre und der Floristin. Insgesamt gab es im Jahr 2012 43.134 weibliche und 82.094 männliche Lehrlinge. (APA, 7.3.2013)

 

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