Apotheker bremsen bei Medikamenten-Versand

6. März 2013, 10:57
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Bis Ende des Jahres muss Österreich aber dafür garantieren, was die Zunft nicht begeistert

Saalfelden - Rezeptfreie Medikamente kann man ab 2014 auch ins Haus liefern lassen. Österreich ist bei den dazugehörigen Regelungen aber in Verzug. Die Apothekerkammer ist über diese EU-Vorgabe wenig bis gar nicht "begeistert". Der Österreichische Apothekerverband arbeitet an einem Internet-System ("Click and Collect"), um den echten Versandhandel möglichst auszubremsen.

"Wir sind mit den Apotheken klassische Nahversorger", so der Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer, Christian Müller-Uri. Der Versand von Arzneimitteln vertrage sich mit dieser Eigenschaft nicht. Deshalb lehne man den Versandhandel auch ab.

Einfallstor für Sicherheitsprobleme

Freilich, an der Schaffung der Möglichkeit zur Arzneimittel-"Fernabgabe" in Österreich geht kein Weg vorbei. Eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2011, welche an sich die Fälschungssicherheit von Arzneimitteln erhöhen soll, schreibt pikanterweise auch die Etablierung von Regelungen für den Arzneimittel-Versandhandel in den Mitgliedsstaaten vor. Dabei scheint dieser Vertriebsweg auch als Einfallstor für Sicherheitsprobleme. Doch die Richtlinie ist bindend, das österreichische Arzneimittelgesetz wurde bereits geändert.

Die Konsequenz daraus, so der Standesvertreter: "Der (Gesundheits-)Minister hat eine Verordnung zu erlassen." Darin sollen die dann für den Arzneimittel-Versandhandel in Österreich geltenden Regelungen enthalten sein. Einen Entwurf gibt es noch nicht, doch die Gespräche laufen. Jedenfalls soll die "Fernabgabe" von in Österreich rezeptfrei erhältlichen Arzneimitten möglich werden. Der Kunde bestellt, der Apotheker sendet die Medikamente per Post etc..

Wie viel? Wie geliefert?

Noch ist unklar, wie viel Medikamente man überhaupt bestellen wird dürfen, etwa drei Packungen pro Order. Dann geht es um Liefer- und Lagerbedingungen. Der Transport von Arzneimitteln vom Produzenten zum Großhandel und von dort zu den Apotheken ist in Österreich mit strengsten Qualitätsregeln - bis hin zu einzuhaltenden Temperaturen etc. - versehen. Standesvertreter Müller-Uri stöhnt unter den Erfahrungen mit dem Arzneimittel-Versandhandel aus EU-Staaten nach Österreich: "Da wissen wir, wie das abläuft. Das [...] landet bei einem Postpartner." 

Umtriebige Apotheker

Skurrilerweise sind einige Landapotheker in Österreich auch Postpartner - und empfangen derzeit ab und zu Päckchen der aus der Schweiz stammenden Versandapotheke. Beworben wird sie über "dm"-Drogeriemärkte. Abgewickelt werden die Bestellungen aus Österreich über eine Apotheke in Tschechien. Die österreichischen Apotheker-Postpartner geben die Lieferungen dann in der eigentlichen Präsenzapotheke an die Kunden ab.

Vor rund einem Jahr kam in österreichischen Apothekerkreisen aber auch noch für den eigenen Berufsstand Peinliches ans Tageslicht: Offenbar belieferten doch glatt österreichische Apotheken die eigene ausländische Versandhandels-Konkurrenz ("Zur Rose" bzw. deren tschechische Partner) mit Ware. (APA, 6.3.2013)

  • Apotheker misstrauen dem Medikamentenversand per Post - und sind oft selbst Post-Partner.
    foto: standard/newald

    Apotheker misstrauen dem Medikamentenversand per Post - und sind oft selbst Post-Partner.

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