Türkei-Ausstieg beschert Verbund Rekordjahr

6. März 2013, 18:08
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Wien - Die Kulisse, die Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber für das Geschäftsjahr aufgebaut hat, ist üppig gestaltet: Das beste Jahr in der Unternehmensgeschichte stehe dem teilstaatlichen Versorger ins Haus und die Dividende wird erhöht (auf einen Euro).

Wie nachhaltig die im neuen Unternehmensmagazin Flow beschriebenen Werte im Sinne endlos sprudelnder Wasserkraft sind bleibt abzuwarten. Denn die dicksten Brocken sind Einmaleffekten geschuldet. Allen voran der Ausstieg aus dem Türkei-Geschäft, bei dem Verbund Beteiligungen um 1,5 Milliarden Euro an die deutsche Eon verkauft, die mit 900 Mio. Euro in den Verbund-Büchern stehen. Im Gegenzug erhält Verbund, wie berichtet, Inn-Kraftwerke in Bayern.

Die operativen Geschäftsaussichten sind deutlich weniger großspurig: Der operative Gewinn (Ebitda) wird auf eine Milliarde Euro sinken, also um 200 Millionen Euro niedriger ausfallen als 2012 - vorausgesetzt, die Wasserführung erlaubt Energieeigenerzeugung auf Durchschnittsniveau. Die Großhandelspreise erodierten, beklagte Anzengruber am Mittwoch. Außerdem gibt es noch immer einige Baustellen: Bei Gaskraftwerken lassen sich Vollkosten nicht verdienen - und das dürfte so bleiben. Das bereits teilabgeschriebene Gaskraftwerk Mellach in der Steiermark läuft pro Jahr nicht einmal 1500 Stunden, eher nur tausend, weil Gas zu teuer ist - auch nach der Vertragsänderung mit der OMV-Tochter Econgas. Der Ergebniseffekt war zwar mit 60,4 Mio. Euro negativ, Verbund könne jetzt mit dem Gas aber wenigstens handeln, sei nicht mehr gezwungen, es zu " verstromen". In der Bilanz mutiert der Gasvertrag quasi zum Derivat, das täglich bewertet wird (at-market). Zusammen mit Wertberichtigungen von 53,9 Mio. Euro hat Mellach im Vorjahr rund 110 Mio. Euro gekostet.

Eine rote Spur zieht auch die Italien-Tochter Sorgenia. Dort ist Strom zwar teurer, aber auch die Gaseinstandspreise - und das Marktumfeld schlecht. Der Verbund-Stromabsatz in Italien sank 2012 um ein Drittel auf 288 GWh. Sorgenia verschlechterte sich wegen des "schwierigen Marktumfelds" für Gaskraftwerke von minus 3,3 auf minus 81,2 Mio. Euro.

Beim dritten Sorgenkind, Poweo in Frankreich sind die zwei Gaskraftwerke vollkonsolidiert, aber nicht vollsaniert. 2012 reduzierten sie ihr Minus von 136,8 auf 86,2 Mio. Euro. Das Beteiligungsergebnis im Konzern verbesserte sich um 96,2 Mio. auf minus 80,3.

Um die Bestellung des neuen Finanzvorstands, Investmentbanker Peter Kollmann vom Merrill Lynch zu verteidigen, rückte am Mittwoch Verbund-Präsident Gilbert Frizberg aus. Es habe keine politischen Einflüsterer gegeben. Anzengruber soll sich nun auf das strategische Geschäft konzentrieren. (ung, DER STANDARD, 7.3.2013)

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    Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber gewährt wegen dem Türkei-Ausstieg den Investoren eine Sonderdividende.

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