Real über Manchester United ins Viertelfinale

6. März 2013, 00:34
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Ronaldo bei Heimkehr nach Old Trafford mit Siegestor zum 2:1 - Dortmund bei 3:0 gegen Donezk souverän

Manchester/Dortmund - Es ist tatsächlich passiert: Cristiano Ronaldo hat im Achtelfinal-Schlager der Fußball-Champions-League zwischen Manchester United und Real Madrid seinen Ex-Klub aus dem Bewerb geschossen. Der Portugiese, der von 2003 bis 2009 für Manchester spielte, erzielte beim 2:1-Sieg der Madrilenen im Old Trafford in der 69. Minute den entscheidenden Treffer zum 3:2-Gesamtscore für sein Team. Bis zu einem umstrittenen Ausschluss von Nani (56.) hatten die Gastgeber 1:0 geführt.

Keine Probleme hatte Borussia Dortmund, der deutsche Meister fertigte Schachtar Donezk zu Hause 3:0 ab und steht mit einem Gesamtscore von 5:2 erstmals seit 1998 im Viertelfinale.

Kein Rooney, kein Kagawa - aber ein Giggs

In Manchester standen zunächst zwei Mann besonders im Fokus. Der 39-jährige ManUnited-Dauerbrenner Ryan Giggs absolvierte sein 1.000. Profimatch, sein langjähriger Teamkollege Ronaldo kehrte erstmals seit seinem Transfer nach Madrid an seine frühere Wirkungsstätte zurück. Der Empfang in seiner alten Heimat war herzlich, die Fans begrüßten ihren einstigen Liebling mit Applaus. Sir Alex Ferguson sorgte mit seiner Aufstellung für Überraschung, er verzichtete zu Beginn auf die Offensivkräfte Wayne Rooney und Shinji Kagawa.

Besserer Start der Gastgeber

Real, das zuletzt zwei Clásico-Siege gegen den FC Barcelona feierte, stand nach dem 1:1 in Madrid unter Zugzwang und versuchte, die Partie an sich zu reißen. Doch Manchester präsentierte sich blendend organisiert und ließ die Spanier kaum zur Entfaltung kommen. Die beste Chance vor der Pause hatten die Hausherren, ein Kopfball von Nemanja Vidic landete an der rechten Stange (21.), den Abpraller schoss Danny Welbeck dem eigentlich schon geschlagenen Keeper Diego Lopez aus kurzer Distanz in die Arme (21.).

In der Folge kamen auch die Gäste besser ins Spiel. Madrid erhöhte Tempo und Druck, fand aber zunächst keine Lücke in der United-Abwehr. Auf der anderen Seite ließ Lopez einen harmlosen Schuss von Robin van Persie abprallen, beim Nachschuss von Welbeck reagierte der Vertreter des verletzten Iker Casillas aber glänzend (34.).

Ramos ins eigene Netz, Nani an fremde Brust

Nach dem Wechsel kam Manchester schwungvoll aus der Kabine. Eine flache Hereingabe von Nani lenkte Real-Kapitän Sergio Ramos unglücklich ins eigene Tor ab. Real war in der Folge zwar bemüht, es mangelte lange Zeit aber an Durchschlagskraft. Dann leitete eine harte Entscheidung des Schiedsrichters Cüneyt Çakir die Wende ein.

Nani war mit hohem Bein in einen Zweikampf mit Alvaro Arbeloa gegangen, traf diesen (vermutlich unabsichtlich) auf Bauchhöhe voll in die Seite und wurde vom türkischen Unparteiischen ausgeschlossen (56.). Ferguson protestierte heftig aber vergebens.

Nun kippte die Partie. Real zog ein wahres Powerplay auf und wurde schnell mit einem Traumtor belohnt. Der eingewechselte Luka Modric knallte den Ball aus 20 Metern exakt an der rechten Innenstange zum 1:1 ins Tor (66.).

Entscheidung und Entschuldigung

Drei Minuten später versetzte Ronaldo Manchester den Todesstoß. Eine wunderbare Kombination schloss er am langen Eck lauernd ab und drückte einen Stanglplass von Gonzalo Higuain über die Linei (69.). Der 28-Jährige verzichtete auf einen Jubel, stattdessen hob er fast entschuldigend die Arme zu einer verzeihenden Geste.

Manchester versuchte im Finish trotz Unterzahl noch einmal alles, doch Michael Carrick (83.), Robin van Persie (84.) und Rooney (84.) scheiterten vor allem am starken Diego Lopez.

Mourinho: "Besseres Team hat verloren"

"Ich bin mir nicht sicher", sagte Reals José Mourinho über die Rote Karte gegen Nani. "Unabhänig von dieser Entscheidung hat das bessere Team verloren. Ich bin froh, dass wir weitergekommen sind aber ich habe von meiner Mannschaft mehr erwartet. Wenn der Keeper dein bester Mann ist, zeigt das, dass du das Spiel nicht so konrollierst wie das gegen zehn Mann eigentlich der Fall sein sollte."

Der verärgerte Alex Ferguson war nach dem Schlusspfiff zu keinem Statement bereit.

Ersatzmann als Dortmunder Glücksgriff

In Dortmund hatte das krankheitsbedingte Fehlen von Innenverteidigers Mats Hummels für Sorgenfalten gesorgt. Doch es war sein Ersatz Felipe Santana, der den BVB dann auf Viertelfinalkurs brachte. Nach Corner von Mario Götze setzte der Brasilianer einen wuchtigen Kopfball aus sechs Metern zum 1:0 ins rechte Eck (31.). Auch nach der Führung hatte Dortmund das Geschehen im Griff. Per Konter erhöhten die Hausherren auf 2:0. Nach Querpass von Robert Lewandowski war Götze in der Mitte zur Stelle und streichelte den Ball ins linke Eck (37.).

Nach der Pause folgten zunächst die erwartet aggressiven Angriffe des ukrainischen Meisters. Ein Warnschuss des eingewechselten Douglas Costa (48.) verfehlte sein Ziel nur um Zentimeter. Doch das Aufbäumen von Schachtar entpuppte sich schnell als Strohfeuer.

Spätestens mit dem 3:0 in der 59. Minute war die Angelegenheit endgültig erledigt. Tormann Andrij Pijatow ließ einen harmlosen Schuss von Ilkay Gündogan fallen, Jakub Blaszczykowski verwertete den Abpraller seelenruhig. "Das ist ein außergewöhnlicher Moment, die gesamte Champions-League-Saison läuft wie geschnitten Brot", sagte Trainer Jürgen Klopp. (APA/sid/red, derStandard.at, 5.3.2013)

Champions-League-Achtelfinale, Dienstag

Borussia Dortmund - Schachtar Donezk 3:0 (2:0)
BVB-Stadion, 66.000 Zuschauer

Tore: Santana (31.), Götze (37.), Blaszczykowski (59.)

Hinspiel 2:2, Dortmund mit 5:2 im Viertelfinale

Manchester United - Real Madrid 1:2 (0:0)
Old Trafford, 75.000 Zuschauer

Tore: Ramos (48./Eigentor) bzw. Modric (66.), Ronaldo (69.)

Rote Karte: Nani (56./Foul)

Hinspiel 1:1, Real mit 3:2 im Viertelfinale

Mittwoch: Paris St. Germain - Valencia (2:1), Juventus Turin - Celtic Glasgow (3:0)

  • Nani vs Arbeloa

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    Referee Çakir schickt den Mann von ManUnited nach dessen so ungestümer wie unglücklicher Attacke vom Feld.

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    José Mourinho mit fairer Geste gegenüber seinem ausgeschlossenen Landsmann.

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    Gegen den Weltschuss von Luka Modric war kein Kraut gewachsen.

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    Am Grund der Traube, irgendwo: Jakub Blaszczykowski.

     

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