Erneut Krawalle in Ägypten

5. März 2013, 21:41
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Brandsätze, Tränengas - "Wir hassen die Polizei"

Kairo - Die ägyptische Hafenstadt Port Said kommt nicht zur Ruhe: Am Dienstag gab es erneut gewaltsame Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizisten in der Stadt im Nordosten des Landes. Wie ein AFP-Reporter beobachtete, warfen Demonstranten Brandsätze auf Beamte, die ihrerseits Tränengas einsetzten. In der Umgebung der Zentrale der Sicherheitskräfte war die Lage besonders angespannt.

Das Gebäude der Sicherheitskräfte, das bereits am Montag in Brand gesteckt worden war, ging am Dienstagabend erneut in Flammen auf. "Wir hassen die Polizei", rief ein 25-jähriger Demonstrant mit einem Molotowcocktail in der Hand. Polizeikritische Parolen waren an viele Mauern in dem Stadtbezirk geschrieben. In der Nacht zum Montag hatte es tödliche Ausschreitungen in Port Said gegeben, bei denen insgesamt sechs Menschen starben, darunter drei Polizisten.

Vor zahlreichen öffentlichen Gebäuden und Firmensitzen standen gepanzerte Militärfahrzeuge. Tagsüber gab es Berichte und Gerüchte, wonach es zu Auseinandersetzungen zwischen Soldaten und Polizisten gekommen sei. Dies führte zu Spekulationen, dass die Polizei sich zurückziehen und die Armee die Kontrolle über die Stadt übernehmen könnte. Die ägyptische Präsidentschaft wies das aber zurück und erklärte: "Die Polizei macht ihre Arbeit, und die Armee unterstützt sie in vollständiger Koordinierung."

Gefangene verlegt

Bereits am Sonntag war es zu Zusammenstößen in Port Said gekommen. Sie entzündeten sich an der Entscheidung des Innenministeriums, 39 Gefangene aus der Stadt zu verlegen. Als Grund gab das Ministerium an, Unruhen vermeiden zu wollen. Bei den Häftlingen handelt es sich um Angeklagte in den Prozessen um tödliche Fußballkrawalle in Port Said im Februar 2012. Damals hatte es 74 Tote gegeben. Am Samstag sollen die Urteile gesprochen werden.

Im Zusammenhang mit der juristischen Verfolgung der Verantwortlichen für die Krawalle gibt es seit Wochen Auseinandersetzungen. Todesurteile gegen 21 weitere Angeklagte führten im Januar zu schweren Unruhen mit mindestens 40 Toten.

Auch in der ägyptischen Hauptstadt Kairo gab es nahe des zentralen Tahrir-Platzes am Dienstag erneut Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten. Die Menschen waren zur Trauerfeier eines im Jänner getöteten Demonstranten gekommen, der erst nach Wochen identifiziert und obduziert worden war.

Ägypten steckt nach einer Übergangsperiode der Militärherrschaft im Anschluss an den Sturz des langjährigen Machthabers Hosni Mubarak im Februar 2011 derzeit in einer tiefen politischen Krise. Der Zorn richtet sich auch gegen den islamistischen Staatschef Mohammed Mursi. Für Ende April sind in Ägypten Parlamentswahlen vorgesehen. (APA, 5.3.2013)

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