Frauen am Männer-WC

7. März 2013, 17:40
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"Das WC ist nicht Rückzugsraum, sondern reine Bedürfnisanstalt" oder: "Undenkbar, dieses Elend den Blicken einer weiblichen Laufkundschaft preiszugeben"

Pro: Nur nicht gschamig sein
Von Birgit Baumann

Das Problem am Frauen-WC in Lokalen sind oft die Frauen selbst. Gerne suchen sie selbiges gemeinsam auf - ein weites Feld, nicht nur für Soziologen und Psychologen. Im Gegensatz dazu ist es am Frauen-WC meist eng, außer man diniert in einem Schlosshotel, wo alles meist ein wenig überdimensioniert ist.

Stau also vor dem Spiegel, Stau vor dem WC. Das ist manchmal nicht unangenehm, erlaubt dieses erzwungene Innehalten doch den Austausch von Informationen, die Männer nichts angehen.

Doch es gibt Momente, in denen es einfach nur dringend ist, in denen das WC nicht Rückzugsraum, sondern reine Bedürfnisanstalt ist. Aber da steht ja eine Schlange von Frauen. Man ahnt oder weiß, wie es bei den Männern nebenan aussieht: Die verrichten ihr Geschäft an der Wand, die WC-Kabinen sind ohnehin meist leer.

Schon Aristoteles wusste: "Die Natur verabscheut das Vakuum." Und der war sicher nie auf einem reinen Frauen-WC. Also nicht gschamig sein, rüber zu den Männern, bevor am Damen-Häusl noch ein Unglück passiert.

Kontra: Unteilbares Elend
Von Ronald Pohl

Begegnungen mit Vertreterinnen des schönen Geschlechts eignet häufig etwas Chaotisches, Wahlloses. Man denke an historische Stoffe wie "Gustav Adolfs Page": Ein Frauenzimmer schlüpft in Wams und Harnisch, nur um im Dunstkreis jenes Kriegsherrn unterzukriechen, den die Dame liebt. Natürlich fliegt der Mummenschanz auf, und man kann sich leicht denken, bei welcher Gelegenheit das Inkognito - trotz Socke in der Hose - nicht zu wahren ist.

Zu den unschuldigen Privilegien der Männer gehört die stehende Verrichtung eines Geschäfts, das man auch deshalb das "kleine" nennt, weil zu seiner Erledigung ein Paar gesunder Beine ausreicht. Unglücklicherweise hat das sinnende Verweilen vor einem Porzellankarbunkel in der Wand etwas Lächerliches. Ein Bächlein helle stürzt zu Tal. Je älter der Wanderer, je aufmüpfiger seine Prostata, desto länger lässt das Schauspiel auf sich warten. Undenkbar, dieses Elend den Blicken einer weiblichen Laufkundschaft preiszugeben, die ausgerechnet in einem Vorhof zur Hölle um Unterschlupf bittet. (Rondo, DER STANDARD, 7.3.2013)

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