Ein schneller Scanner für Verdorbenes

5. März 2013, 18:59
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Kärntner Forscher entwickelten ein mobiles Analysegerät für organisches Material

Wie finden Sie im Supermarkt heraus, ob das Fleisch, das Sie kaufen wollen, schon verdorben ist oder ungesunde Chemikalien enthält? Sie scannen es mit Ihrem Smartphone. Das ist zumindest Andreas Kendas Zukunftsvision.

Kenda leitet ein Forschungsteam am Kompetenzzentrum CTR (Carinthian Tech Research Center) bei Villach. Gemeinsam mit Kollegen aus der Türkei, Polen, Deutschland und Frankreich arbeitete er die vergangenen vier Jahre an einem chemischen Analysegerät, das so leicht, klein und billig ist, dass es sich jeder Konsument leisten und mit sich herumtragen kann. " Memfis" hieß das EU-finanzierte Forschungsprojekt, nach vier Jahren ist es nun abgeschlossen. Die Forscher setzten dabei auf eine bewährte Technik: die Infrarotspektroskopie. Dabei wird die Substanz, die identifiziert werden soll, mit Infrarotwellen beschossen. Da jedes organische Material - auch Bakterien - andere Wellenlängen schluckt oder zurückwirft, kann man aus den reflektierten Wellen berechnen, worum es sich bei dem Bestrahlten handelt.

Mobil und erschwinglich

Bisher waren diese Geräte groß, langsam und teuer - Kenda und seinem Team ist es nun gelungen, sie mobil und erschwinglich zu machen. Dank kleinerer Komponenten haben sie einen Prototyp entwickelt, der etwa so groß wie ein Milchpackerl ist, in zehn Sekunden Ergebnisse liefert und 10.000 Euro kostet. Früher kam ein Scanner auf gern 50.000 Euro, Proben waren mitunter erst nach zwei Stunden analysiert. Ob Faschiertes aus Pferd oder Rind besteht, kann das neue Gerät nicht ermitteln. Es kann aber feststellen, ob sich auf der Fleischoberfläche bereits schlechte Bakterien ausgebreitet haben. Fürs Smartphone ist es zwar immer noch zu teuer - "aber jeder Forscher braucht schließlich Ziele", sagt Kenda.

Derzeit ist das Gerät vor allem für die Industrie interessant: Recyclingunternehmen etwa können nun ihre Mitarbeiter mit mobilen Geräten ausstatten, die ihnen sofort sagen, woraus ein Kunststoffteil oder andere Abfälle genau bestehen. (tob, DER STANDARD, 06.03.2013)

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