Gerald Klug: Ein bisher unbekannter Einzelkämpfer

Kopf des Tages5. März 2013, 18:22
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Jurist Gerald Klug wird neuer Verteidigungsminister

An der Person des neuen Verteidigungsministers Gerald Klug ist die reale Bedeutung des Bundesrates zu ermessen: Da werkte der gebürtige Weststeirer seit 2005 als Abgeordneter in dieser Länderkammer, seit 2010 sogar als Vorsitzender seiner SPÖ-Fraktion - und kaum einer hat es bemerkt. Bis auf biografische Parlamentsdaten liegen bis dato nur spärlich dokumentierte Informationen über ein politisches Vorleben des neuen Ministers vor.

Gerald Klug ist es aber zumindest gelungen, hinter den Kulissen, in den eigenen Reihen, Aufmerksamkeit zu erwirken. Als Fraktionschef im Bundesrat verfügt er über einen guten Draht zu den entscheidenden Personen der Bundespartei. Im überschaubaren Kreis fiel der 44 Jahre alte Sohn eines seinerzeit mächtigen Grazer Betriebsratschefs immer wieder mit selbstbewusstem Auftreten und guter, auch scharfzüngiger Rhetorik auf. Hier auf Wiener Boden fühlte sich der Steirer bisher ganz offensichtlich wohler als in seiner ruppigen steirischen Heimat, wo er politisch nie wirklich Fuß fassen konnte.

Am Fehlen des Stallgeruchs kann es nicht liegen. Klug absolvierte nach der Hauptschule eine Lehre als Dreher, engagierte sich bald in der Metallergewerkschaft und absolvierte über den zweiten Bildungsweg an der Grazer Uni ein Jusstudium. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war er bei seinen Gewerkschaftern ein "G'studierter". Er sei distanzierter geworden, wird ihm noch heute in Gewerkschaftskreisen nachgesagt, und auch, dass er "sehr, sehr ehrgeizig" sei - und eine erhöhte Aufmerksamkeit der korrekten optischen Ausstrahlung widme.

Eine besondere Affinität zum Bundesheer hat Klug - bis auf die erfolgreiche Absolvierung des Präsenzdienstes - bisher nicht erkennen lassen. Aber er beeindruckte als Experte für Sozialpolitik. Der Jurist verfüge über exzellentes Detailwissen, mit dem er Gesprächspartner stets schwer verunsichern könne, erzählen Weggefährten.

Der unverheiratete "Einzelkämpfer", als der er beschrieben wird, versuchte mehrmals erfolglos in der steirischen Arbeiterkammer und im Landtag eine Karriere zu starten. Er hatte keine Lobby und sei, so heißt es, in der Folge nach Wien in den Bundesrat weggelobt worden.

Durch seinen robusten Charakter wird ihm aber durchaus ein längeres politisches Leben auf Regierungsebene zugetraut - auch wenn seine jetzige Ministerkarriere mit einem vorläufigen Ablaufdatum, der Herbstwahl, versehen ist. (Walter Müller, DER STANDARD, 6.3.2013)

 

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