Chinas neue Führung: Der Feind im eigenen Bett

5. März 2013, 18:19
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Der steigende Wohlstand der Chinesen könnte für die Führung in Peking zum Problem werden

China hat in den vergangenen zehn Jahren enorm an Wohlstand zugelegt. Gleichzeitig wurden rudimentäre Krankenversicherungs- und Sozialvorsorgesysteme für die Chinesen aufgebaut. Mit der Verbesserung der Lage für hunderte Millionen Menschen stiegen aber auch deren Ansprüche: Sie wollen weiter und mehr an Chinas Aufstieg partizipieren - wenn schon nicht politisch, dann doch wirtschaftlich. Das ist das größte Problem für die neue Führung in Peking, die in den kommenden zehn Jahren Macht und Pfründe der Partei (und ihrer Funktionäre) erhalten muss, damit nicht das totale Chaos ausbricht.

Aus dieser Sicht ist die Erhöhung der Militärausgaben Pekings nicht nur ein Signal an die Nachbarländer und die USA, sondern auch Symbolpolitik für den Hausgebrauch: Nichts hält ein Land so sehr zusammen wie ein Außenfeind. Die beinahe außer Kontrolle geratenen antijapanischen Proteste zuletzt haben gezeigt, wie verlässlich dieser Trumpf im heutigen China sticht. Flankiert wird die Strategie von einem riesigen Unterdrückungsapparat, der noch mehr Geld verschlingt als die Volksbefreiungsarmee.

Aber obwohl sich die Führung in Peking alle Mühe gibt, den Feind im eigenen Bett nationalistisch zu animieren und zu kontrollieren, eine Frage bleibt: Wie lange trägt diese Strategie? Einige China-Experten sagen schon jetzt, dass sie gegen Ende der nun anbrechenden Ära Xi Jinping nicht in der Haut der kommunistischen Kader stecken möchten. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 6.3.2013)

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