Hinfallen, aufstehen, weitergehen ...

5. März 2013, 18:17
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Zum 15-jährigen Bestehen der Salzburger Straßenzeitung Apropos wurde eine Schreibwerkstätte initiiert - Herausgekommen ist das Buch "So viele Wege"

Die Salzburger Straßenzeitung Apropos ist ein parteiunabhängiges soziales Zeitungsprojekt, das seit seiner Gründung im Jahr 1997 Menschen in sozialen Schwierigkeiten hilft, sich selbst zu helfen. Seit ihrem Start verkauften insgesamt 400 Menschen in Not eine Million Zeitungen. Derzeit gibt es 50 Apropos-Verkäuferinnen und -Verkäufer, die obdachlos, wohnungslos und/oder langzeitarbeitslos sind bzw. waren. Sie kaufen Apropos um 1,25 Euro ein und verkaufen es um 2,50 Euro. Das regelmäßige Verkaufen bietet eine feste Tagesstruktur, bringt Verkäufer und Verkäuferinnen und Kunden miteinander in Kontakt und in Beziehung und hilft ihnen, sich wieder zu stabilisieren.

Zum 15-jährigen Bestehen des Hilfsprojekts initiierten Michaela Gründler, Anja Eichinger und Hans Steininger, als Team seit 1999 für Apropos als Herausgeber verantwortlich, eine Schreibwerkstätte zu Schlüsselwörtern wie "Irrweg, Lebensweg, Weggefährten und Weggabelung". Mithilfe der Schriftsteller Christoph Janacs, Fritz Popp und Christina Repolust entstanden interessante Zugänge zum Thema, illustriert durch zahlreiche Fotos und ein abwechslungsreiches und äußerst ambitioniertes Grafikkonzept.

Die Autoren philosophieren über die Vielfalt der Wege, resümieren Ehe- und Berufswege, auf dem Weg liegengebliebene Träume, und räsonieren, teils im Galopp, teils bewusst ganz langsam dahingleitend, über kurvenreiche Strecken, den Weg über den Fluss, Richtung Himmel oder Hölle, dornige, steinige Wege, beschwören die Madonna der Landstraße. Kurz, es geht darum, wo etwas hinführt, sowie um "Hinfallen und Aufstehen". Die Anthologie gerät keineswegs zum romantischen Roadmovie, sondern zur Sammlung sehr persönlicher Schicksale und Lebenswege.

Die 30 Autoren sind Stehaufmännchen, schmeißen sich immer wieder mit Kampfgeist, Mut und manchmal auch einer ordentlichen Portion Zorn zurück ins Leben. Leise und melancholisch hingegen die Töne der migrantischen Schreiberinnen und Schreiber: Von der Suche nach einem besseren Leben ist da oft die Rede, von der Zerrissenheit zwischen alter und neuer Heimat, von Dankbarkeit, Hoffnung und der Erkenntnis: "Jeder Weg hat einen Anfang, aber auch ein Ende." (Gregor Auenhammer, DER STANDARD, 6.3.2013)

"So viele Wege" (Hrsg.: Michaela Gründler, Anja Eichinger, Hans Steininger), € 14,- / 156 Seiten. Erhältlich in Salzburg bei jedem/r Apropos-Verkäufer/Verkäuferin. 50 Prozent des Verkaufspreises erhält direkt der Verkäufer/die Verkäuferin.

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