Österreicher pflegt Haut und Portemonnaie

5. März 2013, 18:07
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Kopf und Investor der Marke L'Occitane: Der Vorarlberger Reinold Geiger wurde mit den Cremes und Parfums aus der Provence Milliardär

Wien - Den erfolgreichen Unternehmer hat Reinold Geiger nie heraushängen lassen. Lieber spricht er von viel Glück, den guten Umständen, ein wenig Abenteuerlust und gescheiten Leuten, mit denen er sich umgebe. Der gebürtige Vorarlberger hätte sich eigentlich mit Mitte 40 mit einem gesunden finanziellen Polster ins Privatleben zurückziehen können. Er tat es nicht, steckte stattdessen sein gesamtes Erspartes in eine kriselnde Kosmetikfirma und reiht sich heute unter die acht reichsten Österreicher.

In der Milliardärsliste des US-Magazins Forbes findet er sich mit einem Privatvermögen von geschätzten 1,7 Milliarden Dollar weltweit auf Rang 882, noch vor dem Reeder Helmut Sohmen und Industrie-Erben Max Turnauer.

Geiger ist der Mann hinter L'Occitane mit international mehr als 2000 Filialen in rund 90 Ländern. 6500 Mitarbeiter erzielten zuletzt Umsätze von 900 Millionen Euro. In Österreich eröffnet die französische Kosmetikkette seit 19 Jahren ohne viel Aufsehens und Eile in prominenten Lagen einen Shop nach dem anderen. Das Licht der Öffentlichkeit gesucht hat Geiger nie, nur vereinzelt erzählte er auf regionalen Wirtschaftsforen über seinen Weg in die weite Welt.

Tischler-Sohn

Als Sohn eines Tischlers wurde er in Dornbirn geboren. Der kehlige Vorarlberger Dialekt ist ihm bis heute geblieben. Geiger studierte in Zürich Maschinenbau, um sich dann gen New York, London und Paris aufzumachen. In Paris blieb er hängen, heiratete, bekam Kinder, baute Betriebe auf. Bei zwei von sechs Firmen ging die Rechnung auf. Er machte Erstere, die AMS Packaging Company, ein Spezialist für Kosmetikverpackungen, zu Geld und investierte es 1997 in das damals kleine, verlustreiche Unternehmen L'Occitane, ohne sich operativ engagieren zu wollen.

Was ihn ein Jahr später beinahe sein Vermögen kostete. Mit Olivier Bausson, dem Gründer und kreativen Kopf der Naturkosmetikkette, klemmte er sich selbst dahinter. Mittlerweile ist er 65, pendelt zwischen Brasilien und Frankreich und gibt bei L'Occitane als Chef weiterhin die Marschrichtung vor. Mitarbeiter attestieren ihm Handschlagqualität und Fleiß. Er selbst sieht sich nicht als Workaholic. Im Übrigen habe er, bekannte er einst, vor seinem Einstieg bei L'Occitane nie Cremes benutzt, und in den Spiegel schaue er nur beim Rasieren.

Börsenotiert

L'Occitane notiert an der Börse in Hongkong - Asien ist einer der größten Märkte des Konzerns. Ziel ist, die Zahl an Standorten zu verdoppeln. Gelingen soll dies un- ter der Beteiligung der Beschäftigten: Sie besitzen gut ein Drittel der Anteile. In Österreich gehört L'Occitane zu 43 Prozent Elisabeth Hajek, die die Marke ins Land holte. "Mein Ziel war es, schuldenfrei und bankenunabhängig zu sein." Vor drei Jahren sei ihr dies, wie sie sagt, gelungen. Sie erziele Gewinne und steigerte den Umsatz 2012 um zwölf Prozent auf sechs Mio. Euro. Die Zahl der zwölf Shops soll noch um ein, zwei wachsen. Viel Potenzial gebe es beim Verkauf an Partner wie Apotheken.

Handelspräsident Stephan Mayer-Heinisch sieht bei den Franzosen eine gute Hand für Standortwahl und Markenbildung sowie hohe Quadratmeterumsätze. Ihre Bedeutung halte sich bei Anteilen von weniger als einem Prozent am Drogerie- und Parfümeriemarkt in Grenzen, sagt Marktforscher Wolfgang Richter von Regioplan. Mit Produkten aus der Provence fahre L'Occitane aber klare Linien, habe in der Nische keine direkten Rivalen. Geiger denkt an Verkauf ebenso wenig wie an Pension, stattdessen baut er weitere Marken auf. Bei Hajek ruft er zweimal jährlich an, um über ihre Österreich-Geschäfte im Bilde zu bleiben. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 6.3.2013)

  • L'Occitane wächst in der Nische. Die Mitarbeiter sind am Konzern beteiligt.
    foto: epa

    L'Occitane wächst in der Nische. Die Mitarbeiter sind am Konzern beteiligt.

  • Reinold Geiger (65) pendelt zwischen Paris und Rio.
    foto: epa

    Reinold Geiger (65) pendelt zwischen Paris und Rio.

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