ORF-Gebühr und Politik: Zeitgerechte Drohungen

Kommentar5. März 2013, 18:03
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Auf ORF sagt man: "Es geht nicht um Drohungen!" Und verweist auf Sendungslisten in TV, Radio, Landesstudios, was man sich so nicht mehr leisten kann, wenn die Republik Gebührenbefreiungen nicht mehr abgilt

Sprechen Sie ORF, dem Politspeak eng verwandt? Auf ORF sagt man: "Es geht nicht um Drohungen!" Und verweist auf Sendungslisten in TV, Radio, Landesstudios, was man sich so nicht mehr leisten kann, wenn die Republik Gebührenbefreiungen nicht mehr abgilt. "Zeitgerechte Hinweise" darauf kommen im letzten Jahr der Abgeltung, im Jahr einer Nationalratswahl.

20 Millionen Euro weniger für die "Filmwirtschaft": So nennt man auf ORF Programmdienstleister, beileibe nicht allein Film. Weniger Geld für gerade gegründete Spartenkanäle, weniger Aufträge für Freie, sparen an Untertiteln, Orchester, Kultur "bis Grafenegg": lauter laute Zielgruppen, die Druck auf die Politik oder selbst Politik machen. Zweistellige Millionen für eine Fußball-WM, die Private gern zeigen, und Olympische Winterspiele sind zur Hand.

Diese ORF-Sprache kultivieren Management und eine stetig wachsende, jedenfalls stetig ausdifferenzierte Öffentlichkeitsarbeit - Presse, Marketing, Promotion, Unternehmenskommunikation, Kommunikation des Generaldirektors, Stabsstelle "Public Value", die ebenso PR macht. Das erweckt einen Verdacht: Je weniger das Produkt für sich spricht, desto mehr muss man über das Produkt sprechen.

Noch sprechen - wiewohl von Sparrunden zermürbte - Journalisten und Programmmacher am besten für den ORF. Gebührenabgeltung sei ihnen vergönnt. Der ORF will sie ja in öffentlich-rechtliches Programm investieren. Sagt er. (Harald Fidler, DER STANDARD, 6.3.2013)

Zum Thema
derStandard.at/Etat zum ORF

ORF-Reaktion von Kommunikationschef Martin Biedermann:

Die ORF-Öffentlichkeitsarbeit ist entgegen der Annahme im Kommentar weder „stetig wachsend“ (im Gegenteil, vor 10 Jahren waren es fast doppelt so viele Mitarbeiter/innen wie heute) noch immer mehr „ausdifferenziert“ – seit 2007 (Fusion der vormals eigenständigen Abteilungen Marketing und Öffentlichkeitsarbeit inkl. Einsparung von Leitungs-Strukturen) hat sich in Strukturen und Zuständigkeiten nichts geändert. Die Hauptabteilung „Marketing und Kommunikation“ in der Generaldirektion besteht (seit damals) aus den Bereichen: Pressestelle (inkl. Fotografie), Unternehmenskommunikation, Marketing, ORF Nachlese, ORF Kundendienst/ORF Digital,

Die Kommunikation des Generaldirektors erfolgt seit jeher durch ihn persönlich, durch mich, also den ORF-Sprecher und unterstützt – zB in Form von Vor- und Aufbereitung von Unterlagen - durch das Team der Unternehmenskommunikation. Das war immer so und ist auch derzeit so. Das ebenfalls in der Generaldirektion angesiedelte „Public Value Kompetenz-Zentrum“ wurde 2007 eingerichtet und hat seit damals dieselben Aufgaben, jegliche Kommunikation wird selbstverständlich eng mit der Abteilung „Marketing und Kommunikation“ abgestimmt. Die Programm-Promotion gibt es seit Jahrzehnten mit unveränderten Aufgaben, nämlich der On-Air-Promotion der ORF-TV-Programme.

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