Rückkehr in den Schoß der Partei

5. März 2013, 22:02
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Norbert Darabos soll für die SPÖ den Wahlkampf schaukeln. Kanzler Werner Faymann entbindet ihn von der schweren Last des Verteidigungsministers und beordert ihn zurück in die Löwelstraße.

Vor ziemlich genau zehn Jahren wurde Norbert Darabos das erste Mal Bundesgeschäftsführer der SPÖ. Jetzt kehrt er in diese Funktion in die Parteizentrale in der Löwelstraße zurück. Er selbst sieht das nicht als Abstieg. Er folgt dem Ruf der Partei. Und des Parteichefs. Es war Werner Faymann, der sich diese Rochade nach – wie er sagt – reiflicher Überlegung ausgedacht hat. Zu Beginn der Woche informierte er die Landesparteichefs über diesen Schritt.

Darabos löst in der Löwelstraße Günther Kräuter ab, der in der Volksanwaltschaft Peter Kostelka nachfolgen soll. Der Zeitpunkt ist durchaus ein umstrittenes Thema in der Partei: Darabos soll den Wahlkampf der SPÖ aufsetzen, bis zum Wahltermin ist aber nur mehr ein halbes Jahr Zeit. Eine eigenständige Linie lasse sich in der knappen Zeit kaum noch entwickeln, meint ein Genosse: "Eigentlich müssten bereits die inhaltlichen Pflöcke eingeschlagen sein. Das wird ein ganz schöner Horror für den Norbert."

Ihm zur Seite wird Laura Rudas stehen, die weiterhin Bundesgeschäftsführerin der SPÖ bleibt. Atmosphärisch soll es zwischen Darabos und Rudas keine gröberen Probleme geben. Vor allem soll die Rollenverteilung klar sein: Darabos wird den Wahlkampf managen. Zwischen Rudas und Kräuter hing gelegentlich der Haussegen schief, da die Aufgabenteilung nicht klar abgegrenzt war. Die Bilanz war ebenfalls nicht rosig, von der ORF-Publikumsratswahl über die EU-Wahl bis zur Wehrpflichtvolksbefragung – die von der Zentrale geführten Kampagnen griffen nicht. Erfolgreich verlief nur die Wiederwahl von Präsident Heinz Fischer. Doch die war mangels Gegner nicht zu verlieren.

Eifersüchteleien wie zwischen Kräuter und Rudas hat es fast immer gegeben, wenn ein Duo die rote Bundesgeschäftsstelle besetzte, doch selbst das soll sich nun ändern. Während Kräuter oft als Einzelkämpfer agierte und Alleingänge hinlegte, die Faymann mitunter auch irritierten, gilt Darabos als verträglicher und verlässlicher Teamplayer.

Was aber vor allem für den Wechsel sprach: So schlecht das Bild war, das Darabos als Verteidigungsminister in der Rossauer Kaserne abgegeben hat, so gut ist sein Ruf als Parteimanager und Wahlkampfstratege. 2004 leitete Darabos für Heinz Fischer den Wahlkampf für die Bundespräsidentenwahl, im dem sich Fischer schließlich gegen die ÖVP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner durchsetzte. Auch 2006 leitete Darabos für Parteichef Alfred Gusenbauer den Wahlkampf, die SPÖ wurde nach den Schüssel-Jahren wieder stärkste Partei. Und Darabos wurde mit einem Ministeramt belohnt – allerdings nicht mit dem Innenressort, das er gerne übernommen hätte, sondern mit dem Verteidigungsressort.

Sein Pressesprecher im Verteidigungsministerium, Stefan Hirsch, hatte bereits vor ihm in der SPÖ-Zentrale angeheuert, er wird Da rabos künftig als Kommunikationschef der Partei unterstützen.

Im Präsidium der SPÖ stieß  Faymanns Personalentscheidung großteils auf Zustimmung. Da rabos ist auch bei den Landeschefs wohlgelitten. Der Neue im Verteidigungsministerium war dagegen nicht allen bekannt. Wichtig war offenbar, dass der ein Steirer ist, damit ist auch der Landeshauptmann in Graz, Franz Voves, befriedet. Kräuter selbst wollte seiner Partei nichts Schlechtes nach sagen, er vollzieht den Wechsel, ohne zu murren, mit und peilt jetzt die Volksanwaltschaft an. (Michael Völker, DER STANDARD, 6.3.2013)

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