Eine Theaterjury mit wenig Spielraum

5. März 2013, 17:43
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Die Theaterförderung der Stadt Wien für die Jahre 2014 bis 2017 wird derzeit unter Dach und Fach gebracht - Die bestellte Jury ist gegen die Zusammenlegung von Garage X und Kabelwerk, die Politik dafür

Wien - 25 Millionen Euro bringt die Stadt Wien alljährlich für die freie Theaterproduktion auf, knapp ein Viertel davon steht für die über Juryempfehlungen ermittelte direkte Förderung von Projekten und Vierjahreskonzepten von Künstlern zur Verfügung. Diese Empfehlungen wurden kürzlich im Rahmen einer Pressekonferenz des Wiener Kulturstadtrates Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) präsentiert.

Der größere Teil der im europaweiten Vergleich erfreulich stattlichen Summe ist fix verplant für die Finanzierung von Infrastrukturen, Gremien, Preisen und Festivals. So werden aus diesen Töpfen auch Theaterhäuser gefördert, die aus künstlerischer Sicht nicht förderwürdig wären, allerdings als "Spielstätten von lokaler Bedeutung" gelten. Für diese Art der Förderung mussten bisher keine Konzepte eingebracht werden. Große Beträge werden derzeit also ohne Evaluierung vergeben, ein Ist-Zustand, den die aktuelle Jury (Angela Heide, Elke Hesse, Silvia Kargl, Thomas Licek und Amelie Deuflhard) kritisiert.

Im letzten Jahr haben die fünf die Theaterlandschaft Wiens durchforstet und ihre Empfehlungen dem Kulturamt übermittelt. Das betreffende Gutachten und die konkreten Fördersummen werden demnächst veröffentlicht.

Die Jury fühlt sich unterfordert: "Unser Wunsch ist es, dass alle einreichen, ausgenommen die kommunalen Häuser, für die es ja bestehende Intendantenverträge gibt", sagt Angela Heide. "Manche reichen ein, andere tun das nicht, bekommen aber trotzdem weiter ihre - z. B. - Standortförderung", so Silvia Kargl. Diese Ungerechtigkeit möchte man beseitigt sehen.

In einem entscheidenden Punkt wurde die fünfköpfige Jury (nicht im Bild: Amelie Deuflhard) mit ihrer Entscheidung von der Politik unglücklich ausgebootet. Die Jury lehnte ein Konzept zur Zusammenlegung der beiden Häuser Garage X und Kabelwerk ab: "Das Kabelwerk wird dadurch seiner Bestimmung als niederschwelliger Kulturraum beraubt; das ist einfach zu früh", befindet Elke Hesse. Zudem fördere man mit der Zusammenlegung eine Monokultur, die genau jene Gruppen weiter verdränge, die es jetzt schon schwer haben, an Koproduktionshäuser heranzukommen.

Diese Bedenken weist Garage-X-Leiter Harald Posch zurück: "Für eine Monopolisierung ist das Budget viel zu gering, da liegen wir immer noch weit unter dem z. B. des Brut. Außerdem stehen wir allein schon mit unserer eigenen Geschichte für die Off-Szene ein, sie ist der Nährboden, das halten wir hoch." Posch bekräftigt weiter: "Einen Raum von dieser Qualität und Technik (Kabelwerk, Anm.) nur dem Amateurtheater zu widmen, das ist eine vergeudete Investition. So ein Raum muss offen bleiben für progressive Gruppen."

Workspaces fehlen

Auch für die Gruppe das kunst, die nun in das neue Kabelwerk X eingebunden wird, gab die Jury keine Empfehlung ab. Das Konzept der Gruppe habe für vier Jahre keineswegs getragen. Zudem handle es sich dabei eher um ein Vermittlungs- und Ausbildungsprojekt denn ein Kunstprojekt, so Hesse. Auch wenn Gruppen als überaus verdienstvoll gelten, so ist die Grundlage der Juryentscheidung jeweils nur das vorliegende Konzept. "Die Förderstruktur soll ja nicht verkrusten", sagt Kargl, mit Verständnis für enttäuschte Künstler.

In den zehn Jahren der Wiener Theaterreform (seit 2003) haben insbesondere der Tanz, das Theater für junges Publikum und der Performancebereich einen großen Schritt getan, so die Jury. Jetzt braucht es Workspaces. "Diese fehlen in Wien noch", so Angela Heide. Die Forderung von 2003 nach einem Ort für Tanz, einen für Performance usw. ist nach zehn Jahren schon wieder überholt. "Die Sparten sind flügge geworden. Und dafür braucht es neue Arbeitsweisen." (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 6.3.2013)

  • Silvia Kargl: "Diese Förderstruktur soll ja nicht als verkrustet enden, indem alle automatisch weiter gefördert werden."
    foto: regine hendrich

    Silvia Kargl: "Diese Förderstruktur soll ja nicht als verkrustet enden, indem alle automatisch weiter gefördert werden."

  • Angela Heide: "In Wien fehlen Workspaces, Orte für neue Formen des Zusammenarbeitens ganz unterschiedlicher Sparten."
    foto: regine hendrich

    Angela Heide: "In Wien fehlen Workspaces, Orte für neue Formen des Zusammenarbeitens ganz unterschiedlicher Sparten."

  • Elke Hesse: "Wir haben einen Boden bereitet, der der nächstfolgenden Jury mehr Arbeit abverlangt."
    foto: regine hendrich

    Elke Hesse: "Wir haben einen Boden bereitet, der der nächstfolgenden Jury mehr Arbeit abverlangt."

  • Thomas Licek: "Wir haben versucht, finanziell eine einigermaßen gleiche Ausgangssituation für alle zu schaffen."
    foto: regine hendrich

    Thomas Licek: "Wir haben versucht, finanziell eine einigermaßen gleiche Ausgangssituation für alle zu schaffen."

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