Politik reagiert auf Missbrauch in Grazer Jugendwohngemeinschaft

    5. März 2013, 18:11
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    Grazer Stadträtin: Mehr Betreuer in Jugend-WGs

    Graz - Wie es möglich war, dass vier Mädchen in einer betreuten Jugendwohngemeinschaft der Stadt Graz über drei Jahre lang Vergewaltigungen durch männliche Mitbewohner ausgesetzt waren, ist noch immer ein Rätsel.

    Wie berichtet, vertrauten sich die heute elf- bis 16-jährigen Mädchen zwei Polizistinnen an, weil sie - teilweise täglich - von vier Burschen missbraucht und vergewaltigt worden sein sollen. Drei junge Männer im Alter von 16 und 17 Jahren befinden sich in Untersuchungshaft.

    Noch keinen Einblick in Protokolle

    In den vier betreuten WGs des Grazer Jugendamtes haben insgesamt 36 Jugendliche Platz. Wobei jeweils sieben Betreuerinnen für eine Wohnung mit neun Jugendlichen zuständig sind. Sie wechseln sich ab, alleine sollten die Teenager also eigentlich nie sein.

    "Wir haben noch keinen Einblick in die Polizeiprotokolle", sagt ein Sprecher des Büros von Jugendstadträtin und Vizebürgermeisterin Martina Schröck (SPÖ) dem Standard.

    Hinweise auf sexuelle Übergriffe in der WG gab es in den letzten Jahren bereits, das Jugendamt reagierte offenbar nicht ausreichend, was am Dienstag auch die Kinder- und Jugendanwältin des Landes Steiermark, Brigitte Pörsch, kritisierte.

    17-jähriger Hauptverdächtiger geständig

    Die Forderung der Grazer ÖVP, pubertierende Burschen und Mädchen getrennt unterzubringen, lehnt Pörsch aber in einem ORF-Interview als " Generalverurteilung pubertierender Burschen" ab. Jugendstadträtin Schröck will diese Maßnahme allerdings sehr wohl ernsthaft prüfen lassen.

    Schröck gab am Dienstag neben mittelfristigen baulichen Änderungen - die Mädchen waren nicht einmal im Badezimmer sicher, da die Burschen von außen die Tür öffnen konnten - auch Sofortmaßnahmen bekannt: Morgens und nachts sind nun mindestens zwei Betreuerinnen zeitgleich im Dienst, und auch in den Waschräumen wird sich ab sofort eine Betreuungsperson aufhalten. In der betroffenen WG läuft zudem eine externe Prozess- und Krisenbegleitung.

    Der 17-jährige Hauptverdächtige hat mittlerweile zugegeben, auch seine drei- und zehnjährigen Schwestern zu Hause sexuell missbraucht zu haben. (cms, DER STANDARD, 6.3.2013)

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