Bislang größtes Weltraumteleskop tritt seine letzte Reise an

5. März 2013, 21:42
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Nach vier Jahren im Einsatz ist das Kühlmittel des europäischen Infrarot-Teleskops aufgebraucht - Nun soll es in einem Sonnenorbit geparkt werden

Köln - Das Schicksal des europäischen Weltraumteleskops "Herschel" ist besiegelt: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) verkündete am Dienstag in Köln, dass die Mission des 3,4 Tonnen schweren und 7,5 Meter langen Infrarot-Teleskops beendet wird. In den vergangenen dreieinhalb Jahren blickte "Herschel" mit seinem 3,50-Meter-Spiegel in verschiedenen Wellenlängen durch Staub- und Gaswolken: "Wir waren mit Herschel quasi im Kreißsaal bei der Geburt von Sternen dabei", sagte Christian Gritzner vom DLR-Raumfahrtmanagement. Die meist farbenprächtigen "Herschel"-Aufnahmen gibt es auf der Internetseite der ESA zu sehen.

Das bisher größte Teleskop, das jemals in den Weltraum geflogen ist, spürt rund 1,5 Millionen Kilometer entfernt von der Erde die Wärme von Sternen, Galaxien und Nebeln auf und kann dabei selbst noch extrem schwache Wärmestrahlung erkennen. Aber auch Planeten, Asteroiden und Kometen in unserem Sonnensystem wurden mit "Herschel" beobachtet. Über 22.000 Stunden Sternenbeobachtung, so schätzt die Europäische Weltraumorganisation ESA, ermöglichte das Infrarot-Teleskop seit seinem Start im Mai 2009 insgesamt bis zu seinem Ruhestand.

Auf dem Weg in den Ruhestands-Orbit

Damit die empfindlichen Instrumente nicht durch die eigene Wärme in der wissenschaftlichen Arbeit gestört wurden, konstruierten die Ingenieure das Teleskop als fliegenden Kühlschrank: Mit 2.300 Litern flüssigem Helium wurden die Sensoren kontinuierlich gekühlt und so auf die richtige Betriebstemperatur von etwa minus 271 Grad Celsius gebracht. Geht jetzt nach dreieinhalb Jahren wissenschaftlicher Sternenbeobachtung planmäßig der Helium-Vorrat zu Ende, werden innerhalb von Stunden die Temperaturen der Instrumente steigen und ihr Einsatz damit nicht mehr möglich sein.

"Herschel" beginnt dann den Ruhestand in einem gesonderten Orbit um die Sonne, wo das Teleskop keine Gefahr für künftige Missionen darstellt. Für den Weg dorthin hat das Teleskop, das nach dem Entdecker der Infrarotstrahlung Wilhelm Herschel benannt wurde, noch Treibstoff an Bord. Ein kontrollierter Absturz auf dem Mond sei zwar theoretisch möglich, aber zu aufwendig, meint Gritzner. (red, derStandard.at, 05.03.2013)


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ESA: Herschel

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    Das Infrarot-Teleskop "Herschel" machte bisher vom Lagrangepunkt L2 des Erde-Sonne-Systems aus seine Beobachtungen. Nun soll es in eine stabile Sonnen-Umlaufbahn gebracht werden.

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    Der Andromedanebel einmal anders: Das Bild kombiniert Infrarot-Daten von "Herschel" (orange und rot) mit einer Aufnahme im Röntgenlicht, die vom XMM-Newton-Teleskop der NASA stammt.

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