Österreichische Satelliten taumeln, funktionieren ansonsten aber tadellos

5. März 2013, 17:01
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"TUGSAT-1" und "UniBRITE" haben bisherige Betriebs- und Instrumentenprüfungen positiv abgeschlossen

Wien/Graz - Die beiden ersten österreichischen Satelliten "TUGSAT-1" und "UniBRITE", die seit über einer Woche im Erdorbit sind, haben ihre ersten Tests erfolgreich bestanden. Noch taumeln die beiden Nanosatelliten etwas auf ihrer Umlaufbahn, daher soll als nächstes für eine stabile Positionierung der beiden Raumflugkörper gesorgt werden. "Bald können wir auch mit den wissenschaftlichen astronomischen Beobachtungen beginnen", sagte Werner W. Weiss, Projektleiter von "UniBRITE", am Dienstag.

"UniBRITE" und "TUGSAT-1" sind am Montag vergangener Woche von Südindien aus in die Erdumlaufbahn befördert worden (derStandard.at berichtete). "Alle bisherigen Betriebstests der On-Board-Computer und der Instrumentenfunktionen von 'UniBRITE' wurden positiv abgeschlossen, bisher läuft alles bestens", so Weiss. Die bisherigen Tests von "UniBRITE" wurden vom Hersteller, dem Space Flight Centre der Universität in Toronto, durchgeführt.

"Mittlerweile haben sie rund 100 Überflüge und rund 4,5 Millionen Kilometer im All hinter sich gebracht. Für uns sind die bisher gelieferten Daten wie Ostern, Weihnachten und Geburtstag zugleich", so Otto Koudelka, Leiter des Grazer Teilprojekts der internationalen Mission "BRITE" ("Bright Target Explorer"). Die von der Grazer Bodenstation durchgeführten bisherigen Tests seien alle zur Zufriedenheit verlaufen: "Es steht alles auf grün", so Koudelka.

Taumelnde Nanosatelliten

Die beiden Satelliten sausen mit einer Geschwindigkeit von rund 7,5 Kilometer pro Sekunde um die Erde. Aufgrund der hohen Beschleunigungsdynamik bei ihrer Freisetzung "taumeln" sie jedoch derzeit noch in ihrer Bahn: "Sie rotieren mit gemütlichen 1,5 Umdrehungen pro Minute um ihre eigene Achse", erklärte Koudelka. Ein wichtiger Schritt der nächsten Tage und Wochen werde das "De-Tumbling", das Einbremsen dieser Rotation, sein.

Letztlich sollen die Satelliten ja mit einer Genauigkeit von etwa zwei Bogenminuten über lange Zeit im Weltraum stabil positioniert sein. Ziel ist es ja, mit einer in den Satelliten eingebauten Kamera fotogrammetrische Daten über Helligkeitsschwankungen sehr heller und massenreicher Sterne zu sammeln. Erste wissenschaftliche auswertbare Daten erwartet sich Koudelka "rund sechs Wochen nach Start".

Die baugleichen österreichischen Nanosatelliten - Würfel mit einer Kantenlänge von 20 Zentimetern und einer Masse von je 6,8 Kilogramm - sind Teil der internationalen Mission "BRITE" ("Bright Target Explorer") und werden als erste von insgesamt sechs kleinen Satelliten im Orbit Helligkeitsschwankungen sehr heller und massenreicher Sterne dokumentieren. Daraus erhoffen sich die Forscher Verbesserungen der Theorien über den Aufbau von Sternen und über die Geschichte des Universums. (APA/red, derStandard.at, 05.03.2013)

  • Die beiden Nanosatelliten "TUGSAT-1" und "UniBRITE" taumeln noch etwas auf ihrer Umlaufbahn. In den nächsten Tagen sollen ihre Bewegungen stabilisiert werden.
    foto: tu graz

    Die beiden Nanosatelliten "TUGSAT-1" und "UniBRITE" taumeln noch etwas auf ihrer Umlaufbahn. In den nächsten Tagen sollen ihre Bewegungen stabilisiert werden.

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