Die Zukunft bedrohter Katzen liegt im Gefrierfach

10. März 2013, 12:00
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Deutsche Forscher arbeiten neue Methode zur Kryokonservierung von Keimzellen aus

Berlin - Es gibt einige Katzenspezies, deren Bestandszahlen sich im niedrigen dreistelligen Bereich bewegen - etwa die des auf der Iberischen Halbinsel beheimateten Pardelluchses. Bei der nur auf einer japanischen Insel vorkommenden Iriomote-Katze könnte es mittlerweile sogar nur mehr eine zweistellige Zahl sein.

Die Kryokonservierung männlicher und weiblicher Keimzellen gilt als Hoffnung, stark bedrohte Spezies für die Zukunft erhalten zu können. Der Forschungsverbund Berlin berichtet von einer neuen, schonenden Methode: Wissenschaftern des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) gelang erstmals die Gefrierkonservierung der Eierstockrinde verschiedener Katzenarten.

Vorbild Humanmedizin

"Wir haben den Cortex verschiedener Katzenarten erfolgreich bei minus 196 Grad Celsius eingefroren und wieder aufgetaut. Diesen Vorgang des Einfrierens und der Lagerung von lebendem Zellmaterial nennt man Gefrierkonservierung oder auch Kryokonservierung", erklärt Caterina Wiedemann, Doktorandin am IZW.
Die Eierstockrinde gilt als Keimzellreservoir mit mehreren Tausend unreifen Eizellen. Die erfolgreiche Gefrierkonservierung von Eierstockgewebe bei Katzenarten stellt daher eine wichtige Komponente für die Einrichtung von Keimzellbanken zum Erhalt der genetischen Diversität dar.

Als Vorlage für das Projekt diente ein Einfrierverfahren aus der Humanmedizin. Dabei wird das Eierstockgewebe krebskranker Frauen entnommen, um die Schädigung der Eizellen durch eine Chemo- oder Strahlentherapie zu verhindern. Nach erfolgreicher Tumorbehandlung kann das zuvor in flüssigem Stickstoff konservierte Eierstockgewebe in die Patientin rücktransplantiert und der normale weibliche Geschlechtszyklus und auch die Fruchtbarkeit wiederhergestellt werden.

Das IZW hat das Verfahren aus der Humanmedizin für Haus- und Wildkatzen angepasst. Abteilungsleiterin Katarina Jewgenow: "Dies ist ein enormer Fortschritt für den Artenschutz." Die Methode geht Hand in Hand mit dem Aufbau eines europäischen Netzwerks, das Katzenkeimzellen gewinnt und lagert und diese dann für Nachzuchtprogramme von Zoos zur Verfügung stellt. (red, derStandard.at, 10. 3. 2013)

 

  • Der Pardelluchs ist eine der am stärksten bedrohten Katzenarten der Welt.
    foto: izw

    Der Pardelluchs ist eine der am stärksten bedrohten Katzenarten der Welt.

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