Wiener Linien: Experte fordert Abrechnung pro gefahrenem Kilometer

5. März 2013, 15:12
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Karten für Öffis sollen über elektronisches Ticketsystem abgerechnet werden

Nicht zuletzt wegen der neu eingeführten Tarife konnten die Wiener Linien im vergangenen Jahr einen neuen Fahrgastrekord verzeichnen. So waren 2012 insgesamt 907 Millionen Fahrgäste mit den Öffis der Wiener Linien unterwegs, 32 Millionen Fahrgäste mehr als 2011. Eine Entwicklung, die nicht nur Vorteile für das Unternehmen bringe, wie Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik der Wirtschaftsuniversität Wien (WU), gegenüber dem Wirtschaftsblatt erklärt.

Zu hohe Kosten für Qualitätssicherung

Demnach benötige es eine Qualitätsoffensive und Investitionen in Milliardenhöhe, um die neu gewonnenen Öffi-Kunden zu halten. "Das übersteigt meiner Meinung nach die Fähigkeiten der Stadt Wien", sagt Kummer. Als Lösung schlägt der Verkehrsexperte ein neues Tarifsystem vor. "Man zahlt für jeden Kilometer, den man fährt, bis zu einer bestimmten Höchstgrenze."

Mehrfahrer sollen weniger zahlen

Für Mehrfahrer könne dadurch ein Anreiz geschaffen werden, nicht jede Fahrt mit den Öffis zu machen, so der Verkehrsexperte. Ein elektronisches Ticketsystem zur Abrechnung bzw. Bezahlung könnte mithilfe von speziellen Torbögen umgesetzt werden. "Die Technologie gibt es. Es ist nur eine Frage des Geldes“, erklärt Kummer. Seinen Berechnungen zufolge würde dieser Umbau für U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen die Stadt Wien weniger als 100 Millionen Euro kosten.

Stadt Wien winkt ab

Im Wiener Rathaus wird diesbezüglich jedoch abgewunken. „Uns ist bewusst, dass man die Kunden nur halten kann, wenn man auf Qualität setzt und ganz stark in die Infrastruktur investiert“, erklärt Ferdinand Pay, Sprecher der Wiener Finanzstadträtin und Vizebürgermeisterin Renate Brauner. Die Milliardenkosten zur Erhaltung der Qualität seien jedoch geringer als von Kummer veranschlagt. (red, derStandard.at, 5.3.2013)

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