Forschungsprämie steigt "explosionsartig"

5. März 2013, 13:53
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259 Mio. Euro mehr als noch 2011 - Experte sieht wieder mehr F&E-Aktivitäten von Unternehmen - Seit Jahresbeginn FFG-Gutachten nötig

Wien - Im Jahr 2012 wurden 572,2 Mio. Euro an Forschungsprämien im Rahmen der indirekten (steuerlichen) Forschungsförderung an heimische Unternehmen ausgeschüttet. Das ist deutlich mehr als 2011 (313,2 Mio. Euro), wie das Finanzministerium mitteilte. Innovationsforscher Andreas Schibany von Joanneum Research spricht von einer "explosionsartigen Entwicklung", die er auf wachsende Anstrengungen der Unternehmen in Forschung und Entwicklung (F&E) nach der Krise und die Erhöhung der Prämie von acht auf zehn Prozent Anfang 2011 zurückführt. Erstmals sei damit 2012 mehr indirekte als direkte Forschungsförderung (483 Mio. Euro laut Bundesvoranschlag) ausbezahlt worden.

Dass die Ausschüttung 2012 höher als im Jahr davor war, überrascht vor dem Hintergrund der seit Jahresbeginn 2011 erhöhten Prämie nicht. Das Ausmaß von 259 Mio. Euro Zuwachs hätte aber auch der Experte nicht erwartet. Und auch das Finanzministerium offenbar nicht, das in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung vom September 2012 noch mit Ausgaben von 450 Mio. Euro gerechnet hat.

Einerseits führt Schibany diese Entwicklung auf die Erhöhung der Forschungsprämie auf zehn Prozent zurück. Dadurch sei es für viele Firmen attraktiver geworden F&E zu betreiben. "Es können durchaus vor allem kleinere Unternehmen dazukommen, die sagen: 'wir machen jetzt F&E und nehmen diese Prämie in Anspruch'."

Seit Jahresbeginn FFG-Gutachten notwendig

Seit Jahresbeginn ist die Geltendmachung der Forschungsprämie an ein Gutachten der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gebunden. Der Experte vermutet, dass das einen "Lenkungseffekt" und einen geringeren Steuerentfall mit sich bringen sollte. Aufgrund der aktuellen Entwicklung erwartet Schibany aber keine Einsparungen.

"Das muss aber nichts Negatives bedeutet, wenn es tatsächlich mit einer Erhöhung der F&E-Aktivitäten einher geht", so Schibany. Genaue Analysen dazu gebe es zwar noch nicht, "man kann aber schon sagen, dass die Unternehmensausgaben weiter steigen". Nach den Krisenjahren habe nun wieder eine gewisse Dynamik im Unternehmenssektor eingesetzt.

Die FFG-Gutachten sieht der Innovationsforscher "sehr positiv". Es gebe zwar noch nicht viele Erfahrungen mit dem Prozedere, einige Anträge seien aber bereits eingegangen und eine Vielzahl an Unternehmen habe angekündigt einen solchen zu stellen. "Es läuft ganz gut an", erklärte Schibany. "Es sind insbesondere KMUs, die das in Anspruch nehmen und das ist ein sehr positiver Aspekt." Dass die Begutachtung eine Hürde für Unternehmen darstellt, glaubt der Experte jedenfalls nicht.

"Differenzierung im Fördersystem nötig"

Momentan würden "vier Fünftel der Forschungsprämie an Großbetriebe" ausgeschüttet. Schibany plädiert daher bereits seit geraumer Zeit für eine "Differenzierung im FördersystemSeit Jahresbeginn ist ein FFG-Gutachten notwendig ", zugunsten junger und kleinerer Unternehmen. Das würde den "ausgezeichneten Forschungsstandort Österreich" weiter stärken, ist der Experte überzeugt. (APA, 05.03.2013)

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