Gehaltsschere gefährdet Frauen im Alter

5. März 2013, 13:51
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Niedrigere Erwerbseinkommen, deutlich niedrigere Pensionen, höheres Armutsrisiko: Die Lage der Frauen verbessert sich in Österreich schleppend

Wien - Frauen verdienen in Österreich immer noch deutlich weniger als Männer. Das schlägt sich in niedrigeren Pensionen und einem höheren Armutsrisiko nieder, teilte die Statistik Austria am Dienstag mit. Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Frauen stieg im vergangenen Jahrzehnt allerdings von 59,9 Prozent (2001) auf 66,5 Prozent (2011). Die Zunahme der Frauenerwerbstätigkeit ist laut Statistik Austria jedoch in erster Linie auf einen Anstieg der Teilzeitarbeit zurückzuführen.

Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern haben sich in den vergangenen zehn Jahren nur leicht verändert. Bezogen auf die mittleren Bruttojahreseinkommen aller unselbstständig Erwerbstätigen lagen die Einkommen der Frauen 2001 um 40,2 Prozent unter jenen der Männer, 2011 waren es 39,6 Prozent. Werden Teilzeit und nicht ganzjährige Beschäftigung ausgeklammert, zeigt sich etwas mehr Bewegung. Bezogen auf die mittleren Bruttojahresverdienste der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten sank der geschlechtsspezifische Lohn- und Gehaltsunterschied von 22,5 Prozent (2004) auf 18,5 Prozent (2011).

Vergleicht man die auf Bruttostundenverdienste standardisierten Löhne und Gehälter von Voll- und Teilzeitbeschäftigen in der Privatwirtschaft, dann hat sich der "Gender Pay Gap" laut Eurostat von 25,5 Prozent 2006 auf 23,7 Prozent 2011 verringert. Im EU-Vergleich zählt Österreich aber nach wie vor zu den Staaten mit den größten Verdienstunterschieden zwischen Frauen und Männern.

Frauen holen bei Bildung auf

In Sachen Bildung haben Frauen jedenfalls aufgeholt: 2010/11 wurden 57,7 Prozent der Reifeprüfungen von Frauen abgelegt und 55,5 Prozent der Studienabschlüsse an Universitäten wurden von Frauen erworben. Bei den Doktoraten sind Männer (58,5 Prozent) allerdings noch in der Überzahl.

Zwar stieg auch die Erwerbstätigenquote, doch die Statistik Austria registrierte auch eine deutliche Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung: Die Teilzeitquote bei erwerbstätigen Frauen erhöhte sich von 34,3 Prozent (2001) auf 44 Prozent (2011). Unter erwerbstätigen Männern ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigten trotz eines Anstiegs von 4,4 Prozent (2001) auf 8,9 Prozent (2011) noch immer deutlich geringer. Insgesamt waren 2011 rund 81 Prozent der Teilzeitbeschäftigten weiblich.

Und auch die Gründe für Teilzeitarbeit sind unterschiedlich: Bei 38 Prozent der Frauen, aber nur bei 3,1 Prozent der Männer waren Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene ausschlaggebend. 2011 waren 71,4 Prozent der Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren mit Kindern unter 15 Jahren teilzeitbeschäftigt. Bei den Männern (24,4 Prozent) stand die Aus- oder Fortbildung im Vordergrund (Frauen: 7,6 Prozent).

Alterspensionen um über 50 Prozent niedriger

Niedrigere Erwerbseinkommen und Versicherungsverläufe, die vor allem durch Kindererziehung Lücken aufweisen, führen demnach bei Frauen im Mittel auch zu niedrigeren Pensionen. Betrachtet man die Alterspensionen aus der gesetzlichen Pensionsversicherung (das heißt ohne Beamtinnen und Beamte), so betrug die mittlere monatliche Alterspension der Frauen im Jahr 2011 793 Euro und jene der Männer 1.668 Euro. Die Alterspensionen der Frauen waren somit im Mittel um 52,5 Prozent niedriger als jene der Männer.

Es überrascht in weiterer Folge nicht, dass laut EU-SILC 2011 26 Prozent der allein lebenden Pensionistinnen armutsgefährdet waren, aber nur 13 Prozent der allein lebenden Pensionisten. (APA, 5.3.2013)

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