Arbeiten im Paradies: Tauchlehrer in Malaysia

4. April 2013, 05:30
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Jenny Gunnarsson und Wan Rusli Wan Ahmad betreiben ihren eigenen Tauchshop - mit Erfolg und Sieben-Tage-Woche

Türkisblaues Wasser, hochgewachsene Kokospalmen, weißer Sandstrand und lautes Meeresrauschen. Für viele bleiben Sinneseindrücke wie diese nur ein Traum oder ein kurzer Genuss in der Urlaubszeit, für den lange gespart werden muss. Für andere ist es die Kulisse des täglichen Arbeitsplatzes. Zum Beispiel für Jenny Gunnarsson und Wan Rusli Wan Ahmad.

Seit 2010 betreiben die beiden ihren eigenen Tauchshop auf den Perhentian-Inseln nahe der Ostküste der Malaiischen Halbinsel. Die kleine malaysische Inselgruppe im Südchinesischen Meer besteht aus zwei bewohnten Inseln, die kleinere davon, Perhentian Kecil, ist für rund neun Monate im Jahr Lebensmittelpunkt und Arbeitsplatz der beiden ausgebildeten Tauchlehrer.

Von der Straßenbahnfahrerin zur Tauchlehrerin

Bevor es Jenny Gunnarsson nach Malaysia verschlug, hatte sie in Schweden unterschiedliche Jobs. Sie arbeitete als Straßenbahnfahrerin in Göteborg, als Supermarktangestellte und auch als Securitykraft in einer Raffinerie. Ihr Ehemann Wan Rusli Wan Ahmad - kurz "Weli" - hat schon vor seiner Tauchausbildung viel mit Touristen gearbeitet: in Gästehäusern, Infobüros und als Trekking-Guide im Dschungel. Allerdings nicht auf der Insel, sondern in Kota Bahru, der nächsten größeren Stadt auf dem Festland.

Als ein Freund einen Tauchshop auf Perhentian Kecil eröffnete und ihm einen Job anbot, sagte er sofort zu. Damals verbrachte er seine Wochenenden häufig hier, um Freunde zu treffen und das entspannte Inselleben ohne Autos und Stadtlärm zu genießen. Zu Beginn half er im Shop dort aus, wo es nötig war, füllte Tauchflaschen, war Bootsfahrer und dann schließlich auch Manager des Ladens.

Im Laufe der Jahre wurde die Liebe zum Tauchen immer stärker. "Ich habe ganz langsam neben der Arbeit mit dem Tauchen angefangen, zuerst mit dem Open-Water-Kurs, dann weiter mit Advanced, Rescue, Dive-Master bis hin zur Ausbildung zum Tauchlehrer", sagt Wan Ahmad. Seit acht Jahren unterrichtet er Tauchschüler aus aller Welt.

Wenig Marketing und spontane Kundschaft

Vor vier Jahren machte Gunnarsson bei ihrem jetzigen Ehemann einen Tauchkurs, verliebte sich in ihn und die Sportart - und blieb. Auch sie durchlief alle Kurse bis zur zertifizierten Tauchlehrerin. Schnell war klar, dass die beiden ihr eigenes Business starten wollten. 2010 eröffneten sie gemeinsam ihren Tauchshop "Angel Divers" am Coral Beach, dem kleineren der beiden Hauptstrände der Insel. "Wir haben sehr klein angefangen, weil wir wenig Geld hatten. Also haben wir erst einmal Schnorchel-Equipment zum Verleih angeboten, zum Tauchen hatten wir nur wenig Ausrüstung. Wir mussten einiges leihen, Tauchflaschen, Kompressor, auch das Boot", erzählt die 27-jährige Schwedin.

Nach drei Saisonen sind die Anfangsschwierigkeiten längst kein Thema mehr. Der Raum für die Tauch-Ausrüstungen im hinteren Bereich des luftigen Holzgebäudes ist voll mit Neoprenanzügen, Tauchflaschen und Flossen, im Wasser parkt das eigene Boot. "Unser Shop läuft wirklich gut, eigentlich ist alles perfekt", sagt der 35-jährige Malaysier. Gunnarsson nickt und lächelt. Wirklich viel Marketing habe es nicht gebraucht, um sich einen Namen zu machen. "Es ist relativ einfach, hier Kunden zu bekommen. Es gibt viele Backpacker, die einfach den Strand entlanglaufen und spontan bei uns einen Tauchkurs buchen", sagt sie. "Vieles hier läuft über Mundpropaganda."

Wohnraum und Arbeitsplatz im selben Haus

Täglich um 8 Uhr morgens öffnet das Ehepaar seinen Shop - dann wird alles für den ersten Tauchgang um 9 Uhr vorbereitet. Zum Team von Gunnarsson und Wan Ahmad gehören in jeder Saison drei weitere PADI-zertifizierte Tauchlehrer sowie zwei "Divemaster", die den ganzen Sommer über hier arbeiten. "Wir selbst gehen mittlerweile nicht mehr jeden Tag hinaus zum Tauchen", erzählt das Paar. "Sonst würden wir die ganze Organisation nicht schaffen. Wir haben viele Dinge rundherum zu tun, Buchungen, Rechnungen, Instandhaltungsarbeiten im Haus und ständige Checks der Ausrüstung, außerdem müssen wir auch unser Team bei Laune halten."

Der Shop erstreckt sich über den ganzen unteren Teil des Hauses, das Gunnarsson und Wan Ahmad gemietet haben. Über ein paar Holzstufen gelangt man vom Strand aus in das offene Erdgeschoß, wo es sich die Tauchschüler zwischen ihren Tauchgängen und Lehreinheiten in Hängematten und auf alten Sofasesseln bequem machen können. Landkarten der umliegenden Inseln hängen an den Wänden, Flipcharts für die Theoriekurse stehen parat, und bei einer kleinen Rezeption gibt es Infos und Nachschlagewerke über die Unterwasserbewohner des Südchinesischen Meers.

Geblockte Wochenenden in der Regenzeit

Einen weiten Weg zur Arbeit haben die Tauchlehrer nicht, denn der Privatbereich der beiden befindet sich nur einige Stufen entfernt, im Stockwerk oberhalb des Shops. Somit sei es auch nicht möglich, Privatleben und Job zu trennen. Wochenenden gebe es keine, daran haben sie sich gewöhnt. "Wir arbeiten hier sieben Tage die Woche, meistens 12 bis 14 Stunden pro Tag. Aber wir sehen unser Leben ja nicht nur als Job, es ist für uns auch eine Art zu leben, die wir uns ausgesucht haben", sagt Gunnarsson. "Dass wir so viele Leute kennenlernen, mag ich an der Arbeit hier sehr."

Zwischen November und Jänner werden alle Wochenenden gesammelt nachgeholt. In diesen Monaten herrscht nämlich Regenzeit auf den Inseln, und alle Unterkünfte, Restaurants und Geschäfte werden geschlossen. In diesen zwei bis drei Monaten hat das schwedisch-malaysische Paar Zeit für sich. Den "Winter" nutzen sie, um nach Thailand oder Europa zu reisen oder einfach nur im Zuhause am Festland auszuspannen. Wan Ahmad mag diesen Rhythmus sehr: "Wir arbeiten hart für acht bis neun Monate, und dann haben wir lange frei. Das ist cool."

Konkurrenzdenken vermeiden

Warum es nicht sehr viele Leute wagen, einen Tauchshop oder ein anderes Geschäft auf den Perhentian-Inseln zu eröffnen, erklärt sich Wan Ahmad mit der Angst vor Streitigkeiten mit anderen, die diese Idee bereits vorher hatten. "Viele scheuen den Schritt wegen der Konkurrenz und möglichen Schwierigkeiten mit benachbarten Shops", glaubt er. "Und klar, Konkurrenz gibt es überall. Aber wir versuchen dieses Denken möglichst zu vermeiden."

Also bieten sie immer das Gleiche an wie die anderen Tauchshops. Sie wollen keinen eifernden Wettkampf betreiben. "Wenn die anderen Shops Kunden bekommen, dann bekommen wir auch welche, und umgekehrt", sagt Gunnarsson. Aufdringliches Anwerben ihrer tauchbegeisterten Touristen liegt ihnen fern und ist nicht Teil ihrer Lebens- und Arbeitsphilosphie.

Alltagsherausforderungen: Elektrizität und Reparaturen

Für den Arbeitsalltag hält das Leben auf der kleinen Insel immer Herausforderungen parat. "Strom haben wir hier nur abends, und wenn wir auch tagsüber welchen brauchen, müssen wir unseren eigenen Generator anschalten, und das geht ins Geld", berichtet Wan Ahmad. "Und dann ist es natürlich sehr aufwendig, wenn der Generator oder der Kompressor kaputt geht", wirft Gunnarsson ein.

Darum versuchen sie, alles, was nur irgendwie möglich ist, selbst zu reparieren und immer mehr Reparaturarbeiten zu erlernen. "Manchmal müssen wir die Geräte aber trotzdem nach Kota Bahru oder sogar nach Kuala Lumpur schicken, und das kostet viel Geld, viel Zeit und vor allem viel Geduld", so Gunnarsson. "Ich würde mich verrückt machen, wenn ich mich wegen der Reparaturen, die meist viel länger dauern als geplant, zu sehr stressen lassen würde. Darum bin ich in den letzten Jahren sehr geduldig geworden."

Täglich das Paradies vor Augen

Alles etwas gelassener anzugehen ist bei dem naturnahen Umfeld vielleicht leichter als in einer stressigen Großstadt. Doch sieht man es noch, das Paradies, wenn man es täglich vor Augen hat? "Natürlich sehe ich das schöne Meer und den Strand hier nicht mehr mit den Augen von damals, als ich zum ersten Mal hier war", sagt Wan Ahmad. "Aber wenn wir in der Regenzeit ein paar Monate weg sind und dann zurückkommen, schätzen wir die Ruhe und das friedliche Leben hier wieder sehr." Seine Frau nickt zustimmend: "Ja, wirklich sehr." (Jasmin Al-Kattib, derStandard.at, 4.4.2013)

  • Seit drei Jahren bieten die "Angel Divers" auf der malaysischen Insel Perhentian Kecil zertifizierte PADI-Tauchkurse an.
    foto: derstandard.at/richard kromp

    Seit drei Jahren bieten die "Angel Divers" auf der malaysischen Insel Perhentian Kecil zertifizierte PADI-Tauchkurse an.

  • Jenny Gunnarsson absolvierte bei ihrem jetzigen Ehemann Wan Rusli Wan Ahmad einen Tauchkurs und arbeitet seitdem auch auf der Insel.
    foto: derstandard.at/richard kromp

    Jenny Gunnarsson absolvierte bei ihrem jetzigen Ehemann Wan Rusli Wan Ahmad einen Tauchkurs und arbeitet seitdem auch auf der Insel.

  • Im unteren Bereich des Hauses direkt am Strand befindet sich der Tauchshop, im Obergeschoß der Privatbereich des Paars.
    foto: derstandard.at/richard kromp

    Im unteren Bereich des Hauses direkt am Strand befindet sich der Tauchshop, im Obergeschoß der Privatbereich des Paars.

  • Coral Beach, der kleinere der beiden Strände auf der Insel Perhentian Kecil.
    foto: derstandard.at/richard kromp

    Coral Beach, der kleinere der beiden Strände auf der Insel Perhentian Kecil.

  • Jenny Gunnarsson: "Dass wir so viele Leute kennenlernen, mag ich an der Arbeit hier sehr."
    foto: derstandard.at/richard kromp

    Jenny Gunnarsson: "Dass wir so viele Leute kennenlernen, mag ich an der Arbeit hier sehr."

  • Wan Rusli Wan Ahmad: "Wir arbeiten hart für acht bis neun Monate, und dann haben wir lange frei. Das ist cool."
    foto: derstandard.at/richard kromp

    Wan Rusli Wan Ahmad: "Wir arbeiten hart für acht bis neun Monate, und dann haben wir lange frei. Das ist cool."

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