Taktisches Meisterstück

Kommentar4. März 2013, 22:26
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Der Zeitpunkt der Personalrochade in der SPÖ ist klug gewählt

Norbert Darabos hat sich in mehr als sechs Jahren Ministerschaft nicht den Ruf erworben, in militärischen Dingen auch nur annähernd so viel Geschick zu besitzen wie in der Parteipolitik. Von der politischen Auseinandersetzung, von Wahlwerbung, von der Funktionsweise der sozialdemokratischen Partei versteht er viel - und wenn Bundeskanzler Werner Faymann jetzt erklärt, den erfahrenen Parteimanager für seinen Wahlkampf zu brauchen, so klingt das glaubwürdig.

Der Zeitpunkt ist klug gewählt: Die Nachricht von der Umbesetzung im Verteidigungsministerium vermag die für die SPÖ nicht so guten Nachrichten aus St. Pölten zu verdrängen. Während alle über die künftigen Chancen der ÖVP oder gar von Stronach spekulieren, kann die SPÖ mit der Präsentation des völlig unbekannten, aber treuen Parteimanns Gerald Klug einen spannenen Kontrapunkt setzen: Man wird in den nächsten Tagen darüber diskutieren, wie gut der Neue die dringenden Reformen in seinem Ressort umsetzen kann.

Schlechter als jetzt, hört man, könne es nicht mehr werden - also hat der künftige Minister Klug viele Möglichkeiten positive Botschaften zu verbreiten. Das zieht Aufmerksamkeit auf das Bundesheer, Aufmerksamkeit auf die SPÖ, hilft womöglich im Wahlkampf. Der Zivildiener Darabos mag wenig Glück im Verteidigungsministerium gehabt haben - doch sein Abgang war ein taktisches Meisterstück. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 5.3.2013)

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