Der Zivildiener zeigte sich wendig

4. März 2013, 21:46
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Norbert Darabos hatte einen unmöglichen Job und folgt wieder einmal dem Ruf der Partei

Wien - Als Norbert Darabos 2007 aus der Parteizentrale in das Verteidigungsministerium wechseln sollte, sprach SPÖ-Chef und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer vom "großen Los", das Darabos gezogen habe. Es war vielmehr ein schweres Los.

Zunächst musste der Minister das sozialdemokratische Wahlversprechen, die unter der Regierung Schüssel bestellten Eurofighter abzubestellen, so gut wie möglich erfüllen. Das aber war so gut wie unmöglich: Auch der parlamentarische Untersuchungsausschuss lieferte keine Handhabe dafür. Darabos schloß schließlich einen Vergleich, kaufte 15 statt der ursprünglich vereinbarten 18 Eurofighter und ließ diese technisch abspecken.

Vorbehalte gegenüber dem Zivildiener

Der Kompromiss machte weder  den Gegnern der Eurofighter noch den Militärs Freude. Die Soldaten hatten ohnehin Vorbehalte gegen den Minister - den ersten Zivildiener an der Spitze des Verteidigungsressorts.

Diese Vorbehalte erlebte Darabos nachgerade als Berührungsängste: Als er einem Offizier, der vor ihm salutiert hatte, die Hand hinstreckte, legte dieser die seine an die Hosennaht. Darabos vermied daher oft militärische Zeremonien, damit ihm so etwas nicht mehr passieren sollte.

Im Frühjahr 2008 ergriff er die Chance, einen Großteil der Führung seines Ressorts mit der SPÖ nahestehenden Offizieren zu besetzen (von denen es ohnehin nicht allzu viele gibt). Es folgte eine Zeit relativer Ruhe - Darabos ließ sich von Fachleuten und seinem aus dem SPÖ-Klub mitgebrachten Kabinettschef Stefan Kammerhofer beraten. Und dieser Rat lautete, an der Wehrpflicht festzuhalten.

Die "Krone" macht mobil und der Minister kehrt

Dann aber machte die "Kronen Zeitung" gegen die Wehrpflicht Front - und Darabos machte eine Kehrtwendung. Sein höchster Offizier, General Edmund Entacher, blieb dagegen standhaft. Auf Zuruf der "Krone" löste Darabos den Generalstabschef ab - und dieser erkämpfte mit juristischen Mitteln seinen Job zurück.

Entacher verfocht weiter die Wehrpflicht, wurde zum Kronzeugen der ÖVP, die darüber am 20. Jänner dieses Jahres eine Volksbefragung ansetzte und gewann.

Der Minister vollführte eine neuerliche Wende, machte sich zum Vertreter einer Reform des Wehrpflichtigenheeres. Dem scheidenden Generalstabschef untersagte er eine große Abschiedsfeier - nun bleibt dieser sogar einige Tage länger im Amt als der Minister. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 4.3.2013)

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