Billigimporte verdrängen Österreichs Puten

4. März 2013, 18:42
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Mehr als jeder zweite Truthahn kommt aus dem Ausland - Mäster drosseln Aufzucht - Immer mehr Fleisch zu Preisen unter Entstehungskosten im Verkauf

Wien - Nach der Aufregung rund um falsch gekennzeichnetes Pferdefleisch ertönt der Ruf nach kürzeren, transparenten Lieferketten. Bei Geflügel gelten für Konsumenten jedoch offenbar andere Regeln - auf ihren Tellern landet zunehmend Pute aus dem Ausland, die Verarbeiter wie Handelsketten zu Dumpingpreisen importieren und von österreichischen Firmen verpacken lassen, ohne ihre Herkunft näher zu deklarieren. Mehr als die Hälfte des Bedarfs wird aus Polen, Ungarn und Italien gedeckt.

Marktführer drosselt die Produktion

Österreichs Mäster bleiben auf der Putenbrust sitzen, was Marktführer Wech nun dazu veranlasst, die Produktion im März erstmals zu drosseln. Die Lage spitze sich seit eineinhalb Jahren zu, sagt Karl Feichtinger. Immer mehr Fleisch komme aus Übermengen zu Preisen unter den Entstehungskosten in die Regale. Für die Konsumenten sei sein Ursprung nicht klar erkennbar. Die Gastronomie bediene sich fast durchgehend aus dem Ausland. Österreichs Betriebe seien aufgrund der höheren Auflagen bei Fütterung und Haltung jedenfalls nicht mehr konkurrenzfähig.

Der Chef von Wech sorgt hierzulande für mehr als zwei Drittel der Putenmast, also für 17 bis 18 Millionen Kilo im Jahr. Seit 2008 gehört dem Lavanttaler auch die Marke Pöttelsdorfer, einst Glatter. Mitbewerber ist Huber, der allerdings in Deutschland schlachtet.

14 bis 20 Wochen Lebenszeit ist Puten gewährt. Zwei Tieren zu je 20 Kilogramm steht ein Quadratmeter Fläche zu, so will es die österreichische Regelung, die auch gentechfreie Fütterung vorsieht.

Je enger die Haltung, desto günstiger

EU-weit existieren keine Vorgaben zur Besatzdichte, erzählt Harald Schliessnig von der Qualitätsgeflügelvereinigung. In Polen seien 70 Kilo je Quadratmeter Norm. Deutsche Mäster einigten sich auf 58 Kilo. Was Tierschützer empört, die Preise jedoch niedrig hält.

30 Kilo sind in der Schweiz erlaubt. Die Schweizer stiegen daraufhin fast zur Gänze aus der Ei- genproduktion aus. Sie sei unrentabel geworden, sagt Schliessnig. Er warnt vor einer ähnlichen Entwicklung in Österreich - und fordert im Sinne der Branche die Zulassung einer Besatzdichte von bis zu 60 Kilo pro Quadratmeter.

Ärger über McDonald's

Biopute ist Mangelware: Lediglich zwei bis drei Prozent der Truthähne wachsen entsprechend auf. Man habe versucht, einen Markt dafür aufzubauen. "Es ist eingeschlafen." Aufgrund der höheren Preise habe keiner Bio gekauft.

Wolfgang Miko, dessen Betrieb Mäster mit Putenküken beliefert, kritisiert die "Zweischneidigkeit" österreichischer Lebensmittelketten. Mit Qualitätsfleisch werde geworben, die großen Umsätze würden jedoch mit Billigimporten gemacht. Auch McDonald's erzürnt ihn: Die Fastfood-Kette begründet den Geflügelkauf im Ausland mit fehlender Menge aus Österreich. An dieser, sagt Miko, scheitere es ebenso wenig wie an der Qualität. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 5.3.2013)

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    Rund 97 Prozent der Puten wachsen in konventioneller Massenproduktion auf.

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