Team Stronach sucht wieder Überläufer

4. März 2013, 18:37
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Frank Stronach hat sich vom Wahlsonntag mehr erwartet, blickt aber optimistisch in Richtung Nationalratswahl. Wegen interner Rochaden laufen derzeit Gespräche mit potenziellen Überläufern, um den Klubstatus im Parlament zu erhalten

Pressekonferenz des Team Stronach am Tag nach der Wahl

"Ich war sehr zurückgezogen, sehr philosophisch. Es stand alles schon in den Sternen", so beschreibt Frank Stronach am Montag bei einer Pressekonferenz im Clubhaus Fontana in Oberwaltersdorf seinen Wahlsonntag.

Es war der erste Auftritt des 80-Jährigen nach der Wahl, am Dienstag will Stronach wieder für einen Monat nach Kanada verschwinden. Was am Wahltag auf den Fernsehbildschirmen stand, war nicht, was der Milliardär erhofft hatte: "Man erwartet sich immer mehr." Dabei zieht das Team Stronach in Kärnten mit 11,3 Prozent und in Niederösterreich mit 9,8 Prozent der Stimmen nicht nur in den Landtag ein, sondern kann auch je einen Landesrat stellen.

"Die Bewegung kommt ins Rollen", betonte Stronach. Er blicke zuversichtlich in Richtung Nationalratswahl im Herbst. Wer in Kärnten Landesrat werden soll, diese Entscheidung überlasse er den Kärntnern, sagte Stronach.

Rochaden in Niederösterreich

In Niederösterreich scheint er aber ein Wörtchen mitgeredet zu haben: Der in der eigenen Partei am Wahlabend schon als zukünftiger Landesrat bezeichnete Ernest Gabmann junior, gleichnamiger Sohn des ehemaligen ÖVP-Landesrats, soll doch nur als einfacher Abgeordneter im Landtag sitzen.

Landesrätin wird Elisabeth Kaufmann-Bruckberger, die vor ihrem Wechsel zu Stronach BZÖ-Abgeordnete war. Klubobmann des Teams in Niederösterreich wird Walter Laki, ehemaliger Rechnungshofbeamter im Ruhestand. Beide hätten mehr politische Erfahrung als Gabmann, erklärte Stronach.

Ein Landtagsmandatar soll Herbert Machacek, ein Perchtoldsdorfer Arzt, werden. Zwei weitere Plätze sind noch offen.

Lugar: Wechselgespräche mit vier Abgeordneten

Durch den Wechsel der 42-jährigen Mödlingerin Kaufmann-Bruckberger in die niederösterreichische Landesregierung wird im Parlament ein BZÖ-Mandatar auf ihren Platz nachrücken. Das Team Stronach braucht dann aber wieder einen fünften Abgeordneten, um den Klubstatus zu erhalten.

Man führe Gespräche mit verschiedenen Interessenten, sagte Stronach: "Mit wem, darüber spricht man nicht." Klubobmann Robert Lugar wurde konkreter.

Es gebe bereits vier weitere Nationalratsabgeordnete, mit denen Gespräche geführt würden, sagte Lugar zum STANDARD. Die einzige Partei, aus der es keine Interessenten gebe, seien die Grünen.

BZÖ schließt Wechsel aus

Der Sprecher von BZÖ-Chef Josef Bucher, Heimo Lepuschitz, schließt aus seiner Partei einen weiteren Wechsel "zu 100 Prozent aus, noch dazu nach dem Wahlsieg in Kärnten".

Ein Rundruf des STANDARD liefert ein ähnliches Stimmungsbild. "Auszuschließen" ist ein Wechsel etwa für Ernest Windholz. Peter Westenthaler reagierte unwirsch auf die Anfrage: "Zitieren S' meine früheren 500 Aussagen dazu - und guten Tag!" Ein Wechsel zu Frank Stronach, hat der BZÖ-Mann da stets zu Protokoll gegeben, komme nicht infrage, er wolle lieber in die Privatwirtschaft.

Fraktionskollege Herbert Scheibner erklärte ebenso, dass er nicht in Stronachs Parlamentsklub übersiedeln will: "Ich bin das jedenfalls nicht - nicht einmal in Ansätzen will ich das!" Laut Gerüchten solle aber FPÖ-Mandatar Martin Strutz Gelüste haben.

Dem Team Stronach steht nun ein Platz im Bundesrat zu - wer diesen besetzen wird, konnte Frank Stronach noch nicht sagen. Auch im Hinblick auf einen Antritt bei den Landtagswahlen in Tirol Ende April und Salzburg Anfang Mai ließ er alles offen. Im April wolle man erst einmal das Parteiprogramm präsentieren. (Saskia Jungnikl/Gudrun Springer, DER STANDARD, 5.3.2013)

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