Berliner Mauer bleibt vorerst stehen

4. März 2013, 18:14
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Bürgerprotest hat in Berlin den Teilabriss des längsten noch bestehenden Mauerstücks gestoppt. Politiker und Investoren überlegen nun, ob nicht doch alles möglich ist: Neue Wohnhäuser, eine neue Brücke über die Spree und die Mauer als Ganzes

Am Montag waren rund einhundert Demonstranten schon früh auf den Beinen. Um sechs Uhr morgens versammelten sie sich an der East Side Gallery - dem 1,3 Kilometer langen Abschnitt der Berliner Mauer in Berlin-Friedrichshain, der 1990 von 118 Künstlern aus 21 Ländern bemalt wurde.

"Kapitalismus raus aus den Köpfen", "Kultur statt Luxuswohnungen", " Geschichte muss sichtbar bleiben für unsere Kinder" - so lauteten die Parolen auf den Transparenten. Doch anders als am Wochenende mussten sich die Demonstranten gar nicht groß ins Zeug legen, um gegen den Mauerabriss zugunsten von Wohnungen zu protestieren.

Denn Investor Maik Uwe Hinkel, der hinter der Mauer an der Spree eine schicke Wohnanlage bauen will (Living Bauhaus), erklärte am Montag, er werde zunächst auf den Teilabriss der Mauer verzichten und sich am 18. März beim "Forum Stadtspree" den Kritikern stellen.

In der Berliner Zeitung wehrte er sich gegen die Kritik an seinem Bauprojekt. Er sei nun "der Buhmann der Nation, das reicht bis nach Japan". Das sei "ein Unding". Denn für seine Wohnungen sei die Zerstückelung der Mauer gar nicht nötig. Die Baufahrzeuge könnten auch auf anderem Weg auf das Grundstück gelangen.

Vielmehr sei er vom grün regierten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg als " Erfüllungsgehilfe" zum Teilabriss der Mauer verpflichtet worden. Denn der Bezirk wolle an gleicher Stelle eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Spree bauen (Brommybrücke), daher müsse die Mauer weichen.

Hinkel ist auch bereit, auf die Wohnungen hinter der Mauer zu verzichten. Allerdings müsse der Bezirk dann ein gleichwertiges Ersatzgrundstück anbieten, da von den 36 geplanten Wohnungen schon 20 verkauft seien.

Mittlerweile hat sich auch Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) in den Konflikt eingeschaltet. "Ich setze mich für den Erhalt des Mauerstücks ein", sagte er am Montag. Der Abriss der Mauer sei "nicht notwendig".

Flughafen weiterhin ohne Chef

Im Internet kursieren derweil schon Vorschläge, was man mit den Mauerteilen alles machen könnte: diese beispielsweise für den Fertigbau des Großflughafens Willy Brandt verwenden.

Der Pannenairport ist nach wie vor ohne Chef. Am Montag sagte der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, ab. Dieser war zunächst als Nachfolger für den im Jänner gefeuerten Flughafenchef Rainer Schwarz im Gespräch gewesen. Es hatte auch Überlegungen gegeben, Bender als Berater für Technikchef Horst Amman zu engagieren. Doch Bender hätte einen Tagessatz von rund 4000 Euro verlangt.

Wann der neue Hauptstadtflughafen, dessen Eröffnung schon viermal geplatzt ist, nun wirklich seine Pforten öffnen soll, ist weiter unklar. Die Bauarbeiten sollen im Spätsommer wiederaufgenommen werden. Bis dahin läuft die Bestandsaufnahme der Mängel. In einem internen Bericht werden insgesamt 20.000 aufgelistet, darin sind aber auch defekte Fliesen enthalten.

Über die Zukunft einer weiteren Großbaustelle wird am Dienstag entschieden. Der Aufsichtsrat des umstrittenen Bahnhofs Stuttgart 21 wird laut Medienberichten für die Fortsetzung des Baus stimmen. Denn obwohl der Bahnhof zwei Milliarden Euro teurer wird als ursprünglich geplant, käme ein Ausstieg aus dem Projekt noch teurer. Im Bahnvorstand heißt es dazu: "Mit dem heutigen Kenntnisstand würde man das Projekt nicht beginnen, sehr wohl aber fortführen." (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 5.3.2013)

Nachlese
East Side Gallery: Vorerst kein weiterer Abriss der Berliner Mauer - Bei "Forum Stadtspree" soll über Lösung beraten werden

Kommentar
Abriss der Berliner Mauer: Die Mauer muss bleiben

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Berliner verteidigen die East Side Gallery. Diese ist das längste noch erhaltene Stück Mauer in der deutschen Hauptstadt.

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