WWF: Kraftwerk an der Oberen Isel gesetzeswidrig

4. März 2013, 18:08
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Osttirol: Gemeinden wollen Nationalparkgrenze ändern

Innsbruck - Um eine unterirdische Durchleitung für das geplante Kraftwerk an der Oberen Isel errichten zu können, wollen die Bürgermeister der Betreibergemeinden Virgen und Prägraten, Dietmar Ruggenthaler und Anton Steiner, die Grenzen des Nationalparks Hohe Tauern ändern. Die Frist für eine neue Grenzziehung ist laut Nationalparkgesetz zwar alle zehn Jahre möglich, aber eigentlich im Jänner 2013 abgelaufen. Eine Fristverlängerung bis 31. Mai wurde bereits erreicht. Die Bürgermeister wollen 20 Hektar im Virger Mullitztal aus dem Nationalparkgebiet nehmen. Stattdessen sollen Grundstücke, die " ökologisch höherwertiger" seien, eingebracht werden, etwa 60 Hektar im Prägrater Dabertal.

Für Christoph Litschauer vom World Wide Fund (WWF) enttarnt sich das geplante Iselkraftwerk mit dieser Forderung der Bürgermeister als " gesetzeswidrig": Denn laut "Tiroler Kriterienkatalog Wasserkraft", - dieser regelt wo Kraftwerke entstehen dürfen -, sei es ausgeschlossen, in Sonderschutzgebieten und Nationalparks Kraftwerke zu errichten. Mit der Veränderung der Grenzen sollten Schutzbestimmungen umgangen werden, kritisiert Litschauer.

Zu wenige Schutzgebiete

Seit mehr als zehn Jahren kämpft auch der Österreichische Alpenverein (OEAV) um die Isel. Der Fluss gilt als Naturjuwel und neben dem Lech als einer der letzten Lebensräume der Deutschen Tamariske, eines seltenen Strauchs. Kurz vor Weihnachten hatte auch die EU Alarm geschlagen. Österreich habe zu wenige Natura 2000 Schutzgebiete, daher werde die Vorstufe zu einem Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Sollte es zu einem Verfahren kommen, drohen Strafzahlungen von bis zu 60 Millionen Euro, warnte der Umweltdachverband (UWD). Der Dachverband hatte zusammen mit Experten Listen mit nicht ausreichend geschützten Arten und Orten erstellt und der EU-Kommission vorgelegt, darunter auch die Isel. (ver, DER STANDARD, 5.3.2013)

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