Rapid, Harmlosigkeit, Fahrlässigkeit und Krise

4. März 2013, 12:18
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Rapid hat sich mit dem 1:2 in Wolfsberg vom Fußball verabschiedet. Eine Rückkehr des Punktelieferanten ist natürlich nicht auszuschließen. Sportdirektor Helmut Schulte bleibt ruhig

Wien - Helmut Schulte wird am Donnerstag sein Buch präsentieren. "Drei St.-Pauli-Leben" heißt es, der Untertitel klingt vielversprechend. "Ergebnisse, Erlebnisse und Erkenntnisse eines Punktelieferanten". Verfasst hat er den Wälzer gemeinsam mit einem deutschen Journalisten, das Manuskript wurde vor dem Engagement bei Rapid abgegeben.

Nach dem 1:2 in Wolfsberg und nur zwei Pünktchen aus vier Frühjahrspartien ist Schulte offensichtlich beim nächsten Lieferanten gelandet. Die Handlung wurde von Hamburg nach Wien, vom Millerntor nach Hütteldorf verlegt. "Stimmt", sagt Schulte dem Standard, wobei man das auch anders interpretieren könne. "Wir müssen eben Punktelieferant in eigener Sache werden."

Der Sonntagnachmittag in Wolfsberg ist schrecklich gewesen. Der Sportdirektor saß übrigens auf der Tribüne, nicht neben Trainer Peter Schöttel. Von oben sieht man den Fußball in der Lavanttal-Arena besser, im konkreten Fall war das eine Strafverschärfung. Zur Erinnerung: Rapid führte 1:0, ab der 50. Minute hatte man einen Mann mehr (Ausschluss Jovanovic), ab der 78. zwei Männer (Ausschluss De Paula).

Schulte: "Es war fahrlässig, wir sind mit den sich ändernden Aufgaben nicht fertiggeworden. Dabei war der Spielverlauf eigentlich super. Da muss einem schon mehr einfallen. Wir haben zu keiner Zeit Dominanz gezeigt." Schöttel war frustriert, für seine Verhältnisse wütend: "Es fehlte der letzte Wille. Vielleicht sollten wir wieder defensiver agieren, weil die Offensivspieler nicht in die Zweikämpfe gehen."

Der 55-jährige Schulte spricht von einer "Ergebniskrise" und davon, " dass nun eine Reaktion folgen muss. Man ist immer nur so gut, wie das letzte Spiel war. Und das war sehr schlecht." Standpauken spart sich der Sportdirektor vorerst. "Kommt der Zeitpunkt, werde ich das nicht in der Öffentlichkeit ankündigen. Und ich werde jetzt nicht 13 Spieler suspendieren." Dass der Vertrag mit Schöttel vorzeitig bis 2015 verlängert wurde, "war natürlich kein Fehler. Er ist der richtige Mann am richtigen Platz."

Schulte wird immer wieder mit der Tatsache konfrontiert, dass die Austria bereits 20 Punkte mehr als Rapid aufweist, Tendenz steigend. " Ich sage darauf, dass mich das nicht interessiert. Man muss auf die eigene Leistung schauen. Und die muss viel besser werden. Die Dortmunder weinen ja auch nicht, weil sie von den Bayern abgehängt wurden. Man muss sich den Tatsachen stellen." Ob der zweite Platz, der für die Qualifikation zur Champions League reicht, noch realistisch ist? " Darüber zu diskutieren, ist wirklich Schmuck am Nachthemd." Ins Österreichische übersetzt heißt das: Es ist wirklich sinnlos. Zusatz: " Wir stehen auf dem dritten Platz, dort gehören wir auch hin."

Dass Rapid ein Qualitätsproblem auf diversen Positionen hat, sagt Schulte natürlich nicht. "Ob Austria und Red Bull Salzburg besser aufgestellt sind, ist keine zielführende Frage. Ich will keine unglücklichen Vergleiche anstelle, weil ich nicht unglücklich sein will." Von den acht Halbzeiten im Frühjahr seien fußballerisch betrachtet fünf passabel gewesen. Das komplette Derby (1:2), die gesamte Partie in Salzburg (3:3), die halbe gegen Sturm (1:1). "Nur interessiert das niemanden."

Das Match am Samstag im Hanappi-Stadion gegen Mattersburg findet selbstverständlich statt. "Wir müssen Punktelieferant in eigener Sache sein. Nur das zählt." (Christian Hackl, DER STANDARD, 5.3.2013)

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    Schulte betet seit dem 1. Jänner.

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