Verein Famos: Pühringers Sprache "verletzend und menschenverachtend"

4. März 2013, 12:37
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Der Verein der "Familien Andersrum" in Österreich nimmt zu den Aussagen des VP-Landeshauptmanns Stellung

Nach seiner "eindringlichen Warnung" vor der Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare übt der Verein Famos - ein Zusammenschluss von "Müttern und Vätern, Co-Müttern und Co-Vätern, Pflegeeltern und Alleinerziehende, die gleichgeschlechtlich empfinden" - heftige Kritik an Josef Pühringer. Für seine Aussagen ist der oberösterreichische Landeshauptmann auch von anderen LGBT-Verbänden (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) sowie SPÖ und Grünen scharf kritisiert worden.

"Menschenbilder zweiter Klasse"

In einer Aussendung des Vereins heißt es: "Ist der Mann weniger wert, weil die Frau wählen darf? Sind Weiße weniger wert, weil die Apartheid abgeschafft wurde? Warum soll eine Familie besser oder schlechter sein als eine andere? Gelungene Elternschaft misst sich an der Qualität der Kindererziehung und nicht an dem Geschlecht der Eltern. Die gesellschaftlichen Probleme in den (traditionellen) Familien kann die ÖVP nicht dadurch lösen, indem sie einer kleinen Gruppe Rechtsicherheit aus reiner Willkür und Ignoranz vorenthält."

Die Argumente gegen eine Gleichstellung von homo- und heterosexuellen Menschen und deren Kindern seien nicht sachlich fundiert, sondern ausschließlich ideologisch geprägt. Dadurch würden unberechtigte Ängste geschürt, um Menschenbilder zweiter Klasse zu schaffen. Die Sprache von Pühringer und Teilen der ÖVP sei "verletzend und menschenverachtend".

"Famose" Empfehlung: Lektüre des EGMR-Urteils

Nach einem Urteil des Europäischen Menschengerichtshofs (EGMR) in Straßburg soll es in Zukunft auch gleichgeschlechtlichen Paaren in Österreich erlaubt sein, Stiefkinder zu adoptieren. Justizministerin Karl kündigte an, noch im Frühjahr eine dem Urteil entsprechende Regierungsvorlage vorzulegen.

Hierzu empfiehlt der Verein Famos Josef Pühringer "eindringlich, die Urteilsbegründung des EGMR zur Stiefkindadoption zu lesen, denn darin wird festgestellt, dass '... die (österreichische) Regierung keine überzeugenden Gründe dafür vorgebracht hatte, dass es zum Schutz der Familie im traditionellen Sinne oder des Kindeswohls notwendig wäre, Stiefkindadoption bei gleichgeschlechtlichen Paaren auszuschließen, diese Möglichkeit bei unverheirateten heterosexuellen Paaren aber zu erlauben.'"

Weiters heißt es: "Wir meinen, dass es die Pflicht jeder politischen Partei in der Regierung ist, alle Staatsbürger und Staatsbürgerinnen gleich zu behandeln. Warum ist es erstrebenswert, Kinder aus Regenbogenfamilien gegenüber Kindern aus heterosexuellen Beziehungen zu benachteiligen? Freuen wir uns über die gesellschaftlichen, medizinischen und sozialen Fortschritte in unserer Gesellschaft. Diese Fortschritte sollen allen in gleichen Maßen zugänglich sein." (red, dieStandard.at, 4.3.2013)

 

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