AK: Bei Mädchenförderung bleibt Geld liegen

4. März 2013, 11:39
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Fünf Millionen Euro stehen für Projekte zur Verfügung - Berufswahl entscheidend für Lebenseinkommen

Wien - Die Berufswahl von Mädchen und Burschen ist auch im Jahr 2013 von stereotypen Rollenbildern geprägt. Eine Entscheidung, die sich nicht nur auf das gesamte Berufsleben, sondern auch auf das Lebenseinkommen auswirkt. Zum Vergleich: Eine Friseurin verdient beim Berufseinstieg 1.425 Euro monatlich brutto (rund 1.120 Euro netto), ein Elektrotechniker dagegen 1.890 Euro (ca. 1.350 Euro netto). Um die atypische Berufswahl zu unterstützen, gibt es seit 2008 für Unternehmen spezielle Fördermöglichkeiten.

Unausgeschöpfter Fördertopf

Um einen gleichmäßigen Zugang von Mädchen und Burschen zu den unterschiedlichen Lehrberufen zu forcieren, verweist die AK auf spezielle Förderungen. Unterstützt werden Projekte von Lehrberechtigten, die diese entweder alleine oder gemeinsam mit anderen Firmen oder externen Beratungsstellen durchführen. Eingereicht wird das Projekt bei der zuständigen Wirtschaftskammer, entschieden wird im Förderausschuss.

Fünf Millionen Euro stehen laut Arbeiterkammer jährlich für Projekte zur Verfügung, nur 100.000 Euro seien jedoch zuletzt abgeholt worden. "Wichtig wäre, dass die Betriebe kommen", kritisierte Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen und Familie in der AK Wien. Würde das Fördervolumen ausgeschöpft, ließe sich einiges für die Bewusstseinsschaffung unternehmen, zeigte sie sich überzeugt.

Klassische Frauen- und Männerberufe

Daten der Statistik Austria zeigen, dass der Frauenanteil im Friseurgewerbe - inklusive Friseurin, Masseurin und Kosmetikerin - bei 95,5 Prozent liegt. Das Brutto-Medianeinkommen beläuft sich in dieser Branche nur auf 908 Euro monatlich. Sekretariatsarbeit wird zu 82,9 Prozent von Frauen erledigt, das Bruttomedianeinkommen beträgt hier 1.297 Euro. Auch im Handel, mit einem Brutto-Medianeinkommen von 1.240 Euro, sind überwiegend Frauen tätig (68,6 Prozent).

In der Elektrizitäts- und Energibranche hingegen sind Frauen eine Minderheit (nur 2,4 Prozent), das Brutto-Medianeinkommen beträgt hier laut Statistik 1.927 Euro. Ebenfalls klassische Männerberufe sind im Maschinenbau (6,2 Prozent Frauenanteil) und dem Baugewerbe (4,1 Prozent Frauenanteil) zu finden. Die monatlichen Brutto-Medianeinkommen belaufen sich auf 1.881 bzw. 1.704 Euro.

"Man sieht, dass man mit unterschiedliche Ausbildungen ziemlich unterschiedliche Einkommensperspektiven hat", so Moritz. Ihrer Erfahrung nach spielen bei der Berufswahl die Väter eine wichtige Rolle. Gerade sie sollten die Mädchen in ihren Interessen bestärken und auch für atypische Berufe motivieren. (APA, 4.3.2013)

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