Sailfish: Jolla will Dominanz von Google und Apple brechen

4. März 2013, 11:10
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Neues Mobil-Betriebssystem soll von China aus die Welt erobern

Ein weiterer Herausforderer der großen Zwei unter den mobilen Betriebssystemen macht sich langsam startklar. Nach Neuigkeiten von Firefox OS, Ubuntu und Tizen hat Jolla-CEO Marc Dillon den Mobile World Congress genutzt, um mehr zur Zukunft von Sailfish OS zu verraten. Die Pläne sind ambitioniert, möchte man doch die Dominanz von Android und iOS in Frage stellen.

Gegen das Duopol

"Für die Nutzer gibt es derzeit nicht viel Auswahl im Mobil-Segment", beklagt Dillon laut Techcrunch. "Es gibt nicht besonders viel Innovation. Ich denke, man hat jetzt dieses Duopol mit zwei Betriebssystemen und im Grunde auch zwei Herstellern", spielt er auf die Dominanz von Samsung im Android-Bereich an.

Mit Multitasking und "Ambience"

Die Versprechen für Sailfish klingen bekannt. Eine "frische Oberfläche", die "mächtig, aber einfach bedienbar" ist, soll bei den Verbrauchern punkten. Viele Homescreeneingaben sollen sich im Blindflug erledigen lassen, Multitasking über animierte App-Tiles einfach werden. Vergleiche mit BlackBerry 10 weist Dillon zurück. Ähnlichkeiten sollen rein oberflächlicher Natur sein.

"Ambience" analysiert das vom Nutzer gewählte Hintergrundbild und passt die Farben der Bedienoberfläche stimmig an. Das System ist gleichzeitig leicht für verschiedene Hardware anpassbar. Laut Dillon bringen die 60 Mitarbeiter von Jolla 600 Jahre Erfahrung bei der Produkterstellung mit.

SDK veröffentlicht

Die Entwicklung schreitet spürbar voran. Erst kürzlich wurde die SDK für das System veröffentlicht. Das Vorab-Feedback dazu soll, wie Dillon im Interview mit Engadget erzählt, ausgesprochen gut gewesen sein. Sailfish, der Nachfolger von MeeGo, wird Apps auf Basis von Qt sowie HTML5 und auch Android-Applikationen unterstützen. Um möglichst viel aus dem System herauszuholen gibt es aber auch native Anwendungen. HTML5 ist noch nicht weit genug, um alleine die Basis zu stellen.

Start in China und Finnland

Wie auch die junge Konkurrenz von Canonical und der Mozilla Foundation befindet sich Jolla auf Partnersuche, um schnell einen Fuß in den Markt zu bekommen. Die Vorgangsweise ist eher unkonventionell. Den Start gibt man in China und Finnland. Partner im aufstrebenden asiatischen Markt ist das Unternehmen D.phone, das über 2.000 Retailstores verfügt. Die skandinavische Heimat, wo Jolla einen guten Ruf genießt, soll wiederum als Basis für die Europa-Expansion dienen.

Der US-Markt wird erst einmal außer Acht gelassen. Dillon sieht die Situation hinsichtlich des Umgangs mit Patenten als "Einstiegshürde für Newcomer". Insbesondere das aggressive Vorgehen vieler Firmen mit Geschmacksmustern kritisiert er. Das heißt freilich nicht, dass Sailfish nicht auch einmal in den Vereinigten Staaten ankommen wird.

Die Entscheidung für einen Start in China ist eine rein wirtschaftliche. "Selbst ein kleiner Teil [des chinesischen Marktes] ist ein großartiges Geschäft. Es ist ein Markt für 300 Millionen Geräte, es ist ein dynamischer Markt", erklärt der Jolla-Chef. Dillon bewundert die Fähigkeit der dortigen Firmen, Entscheidungen schnell zu fällen und umzusetzen.

Erstes Sailfish-Phone mit "großartiger Hardware"

Der Fokus des Unternehmens liegt an der Veröffentlichung eines Smartphones. Andere Devices, etwa ein Tablet, sind aktuell kein Thema, jedoch befindet man sich in Gesprächen mit potenziellen Partnern. Starten möchte man nicht mit einem Einsteigergerät, sondern mit einem Premium-Phone. Das erste Sailfish-Handy wird in der zweiten Jahreshälfte marktreif  sein, wobei ein Start um Weihnachten herum, rechtzeitig vor dem chinesischen Neujahr im Februar, als wahrscheinlich gilt.

"Es wird großartige Hardware haben. Ich wünschte, ich könnte es euch zeigen", schwärmt Dillon. Das Betriebssystem an sich soll sich leicht skalieren lassen und sich gleichermaßen auf Geräten auf Featurephone-Niveau und High-End-Telefonen einsetzen lassen. Hätte Facebook sich vor einem Jahr gemeldet, würde es heute schon ein ordentliches Facebook-Phone geben, lobt er die Versatilität der Software. Auch ein Foursquare-Telefon hält er für eine sinnvolle Idee.

Zukunft als Lizenzgeber und Hardwareentwickler

Mithilfe seiner Unterstützer – ein privates Investorenkonsortium stellt zehn Millionen Euro bereit, eine chinesische Firma hat sich für eine Million Euro mit 6,25 Prozent ins Unternehmen eingekauft, weitere Partner aus der Industrie haben 200 Millionen zugesagt – zieht man parallel zur Geräteentwicklung ein Ökosystem auf.

Jolla verfolgt zwei Geschäftsmodelle, um sich künftig zu finanzieren. Einerseits will man Sailfish an andere Unternehmen lizenzieren, die das System auf ihre Hardware packen. Gleichzeitig bietet man seine eigene Erfahrung im Bereich der Hardware an, um jenen Unternehmen zu helfen, die gerne ein eigenes Handy oder anderes Gerät bauen möchten, aber nicht über das Know-how verfügen.

  • Mit Sailfish will Jolla im mobilen Markt ein deutliches Wörtchen mitreden.
    foto: jolla

    Mit Sailfish will Jolla im mobilen Markt ein deutliches Wörtchen mitreden.

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