Atemberaubend: Der Mount Kenia

Blog4. März 2013, 14:30
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Bevor Bloggerin Victoria Lainer Kenia verlässt, besucht sie noch den höchsten Berg des Landes. Ein wahrhaft atemberaubendes Abenteuer

Bevor wir unsere Zelte in Nairobi abbrechen und weiter nach Tansania fahren, geht es für ein paar Tage ins Landesinnere, um noch einen Eindruck von der großen Diversität der kenianischen Landschaft zu bekommen. In einem Fünftagestrip besteigen wir den dritthöchsten Gipfel des Mount Kenia, des höchsten Berges des Landes. Ein wahrhaft atemberaubendes Erlebnis, im wahrsten Sinne des Wortes.

Es gibt unterschiedliche Routen, um den Mount Kenia zu besteigen. Wir entscheiden uns für eine Kombination der Sirimon- und der Chogoria-Route. In Anbetracht der Höhenmeter und aus Sicherheitsgründen wählen wir einen geführten Trip mit Guide und Trägern. Auf diesem Weg erfahren wir auch eine Menge über Land und Leute und lernen einander über die Tage persönlich kennen.

Vom bunten Stadttreiben aufs Land

Wir treffen unseren Guide in Nairobi, und gemeinsam fahren wir im Matatu, dem für Kenia typischen Kleinbus, nach Nanyuki, einer Stadt am Fuß des Mount Kenia. Von Nairobi raus führt der Weg auf dem Thika-Highway. Diese Strecke wurde um Nairobi als sechsspurige Autobahn ausgebaut. Obwohl Fußgängerbrücken zur Sicherheit der Menschen errichtet wurden, kreuzen immer noch ständig Menschen den Highway und riskieren damit jedes Mal aufs Neue ihr Leben. Auf dem gesamten Weg liefern sich die unterschiedlichen Fahrzeuge wilde und gewagte Überholmanöver.

Ein paar Stunden später in der Nähe von Nanyuki ist die Autobahn von einer normalen Straße mit großen Schlaglöchern nicht mehr zu unterscheiden. Je weiter wir uns von der Stadt entfernen, desto zahlreicher werden die Plantagen - in dieser Gegend vor allem Tee- und Ananas -, die sich in breiten Tälern ausbreiten.

Erster Tag

Nanyuki liegt am Fuße des Mount Kenia, die Menschen in der Stadt leben vom Tourismus. Bis die Regenzeit gegen Ende März einsetzt, ist normalerweise Hochsaison für den Tourismus. Doch aufgrund der bevorstehenden Wahlen und damit der Angst, dass wieder große Unruhen entstehen, bleiben die Touristen dieses Jahr aus.

Nach dem Mittagessen geht es von Nanyuki mit dem Guide und den Trägern in einem weiteren Matatu bis zum Sirimon-Gate auf 2.650 Metern. Dort beginnt die Bergtour. Wir wandern, begleitet von Vogelgezwitscher, durch die Zone des tropischen Regenwaldes. Abgesehen von ein paar Affen sehen wir leider nur die Spuren der anderen Tiere, zum Beispiel Elefanten. Die Vegetation wird knapp vor unserer ersten Station, der Old Moses Hut auf 3.300 Metern Seehöhe, karger und niedriger. Beim Abendessen in der Old Moses Hut wird noch viel politisiert und diskutiert, denn die Wahlen beschäftigen aufgrund ihrer Brisanz alle sehr.

Zweiter Tag

Am nächsten Tag führt der Weg von Old Moses weiter zum Shipton-Camp, das auf 4.200 Metern liegt. Der Weg selbst birgt keine großen Schwierigkeiten. Allerdings läuft man gerade deshalb leicht Gefahr, sich zu überanstrengen und die Auswirkungen der Höhenluft zu unterschätzen. Deshalb ist unser Guide sehr bemüht, mit uns im "Pole, pole"-Tempo, also langsam, langsam zu gehen, und legt immer wieder Pausen ein. Die nutzt er, um uns die Gegend und ihre Tiere und Pflanzen, vor allem Kakteen, zu erklären.

Auf einer Anhöhe des Mackinders-Valley öffnet sich der Blick auf ein wunderbares Panorama. Auf der einen Seite ragen hinter dem Tal die höchsten Gipfel des Mount Kenia in den Himmel, auf der anderen sieht man bis in die Täler rund um das Gebiet des Mount Kenia. Am Nachmittag erreichen wir unsere zweite Station, das Shipton-Camp. Auch hier bleiben die Touristen zurzeit aus, deshalb finden sich abgesehen von uns nur zwei weitere Gruppen ein.

Dritter Tag

Der dritte Tag ist als "Akklimatisierungstag" im Shipton-Camp geplant. Man könnte auch gleich weiter auf den Gipfel steigen, aber da wir doch beide an unterschiedlichen Formen der Höhenkrankheit leiden, sind wir froh über diesen Ruhetag. Wir machen nur eine kleinere Wanderung und genießen ansonsten die Sonne und Frische und den atemberaubenden Ausblick auf die Gipfel.

Vierter Tag

Um 2.45 Uhr morgens läutet der Wecker. Mit dem Licht unserer Stirnlampen beginnen wir unter dem Sternenhimmel den Aufstieg. "Pole, pole" geht es auf dem Geröll voran. Mit jedem Schritt wird die Luft dünner und der Aufstieg schwieriger. Einen wahrhaften Energieschub geben die ersten Anzeichen des Sonnenaufgangs. Als wir dann bei Sonnenaufgang den Lenana-Gipfel erreichen, können wir sogar den Gipfel des Kilimandscharo in der Ferne erspähen.

Es ist wirklich atemberaubend, in jeglicher Hinsicht. Der Lenana-Gipfel des Mount Kenia ist mit 4.985 Metern der dritthöchste des Berges. Beim Abstieg merken wir, wie mit jedem Höhenmeter die Luft zum Atmen besser wird und Leben in die Landschaft zurückkehrt. Als wir am Abend an unserer letzten Station, Bandas, auf knapp 2.800 Metern ankommen, sind wir wieder vom tropischen Regenwald umgeben.

Fünfter Tag

Am nächsten Tag starten wir wieder vor Sonnenaufgang, da dann die Chancen besser stehen, Elefanten zu sehen. Sehen können wir nur einen in der Ferne, aber hören können wir eine kleine Herde im Bambuswald neben uns. Was laut unserem Guide und den Trägern besser ist, da sie Junge haben und deshalb aggressiver auf Menschen losgehen würden. Für mich war es trotzdem ein Erlebnis. Auf dem Weg sehen wir noch Spuren von Hyänen und Antilopen.

Abschied und Aufbruch nach Tansania

Müde, aber glücklich und stark bereichert kommen wir nach diesen atemberaubenden Tagen in Nairobi an. Die letzten Tage sind geprägt von letzten Besorgungen und Abschieden, allen voran von den Kindern und den Leitern des Projekts St. Catherine, wo mein Freund seit Oktober gearbeitet hat. Nun heißt es: "See you again Kenia and Karibu Tanzania!" (Victoria Lainer, derStandard.at, xx.3.2013)

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