Weiter Kritik nach Absage der ORF-Akademie

3. März 2013, 19:46
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Bewerber kritisiert, dass Junge wenig Chancen im Journalismus haben - Blog: Dem ORF kommt der Nachwuchs abhanden

Die Absage der ORF-Akademie und die tristen Jobaussichten für Journalisten sorgen weiter für Diskussionsstoff.

Am Freitag hatte ein Bewerber seinen Unmut via Blog-Eintrag zum Ausdruck gebracht, derStandard.at berichtete bereits darüber. Nachdem er das gesamte Auswahlverfahren und das Assessment Center des ORF absolviert hatte, bekam der Bewerber die Nachricht, dass die ORF-Akademie heuer doch nicht stattfinden werde. "Ich wurde in meinem Leben noch nie so respektlos und miserabel behandelt. Doch dieses Beispiel zeigt schonungslos die Lebensrealität von jungen Journalisten", schreibt er.

Polemische Reaktion von Armin Wolf

Aus Ärger über diesen Blog-Eintrag konterte ZiB 2-Moderator Armin Wolf in einem Eintrag auf Facebook: "Herr Kollege, ich fürchte, Sie müssen sich für Ihr Berufsleben eventuell noch auf ein paar Enttäuschungen einstellen, die deutlich größer ausfallen können. Und wenn Sie das schon derartig erregt und frustriert, dass sie der ganzen Welt erklären müssen 'Heute hasse ich meinen Job!', ist Journalismus vielleicht nicht ganz der ideale Beruf für Sie."

Junge brauchen "Chancen"

Die Replik des Bewerbers folgte am Samstag, er kritisierte, dieses Mal nicht mehr anonym, erneut die kurzfristige Absage der ORF-Akademie und Hoffungen, die geweckt wurden: "Dieses Gefühl eine Chance zu haben. Das ist was wir, junge Journalisten, wirklich brauchen. Die verbliebenen zwölf, von einst 220 Kandidaten, haben viel gegeben, um in die Akademie zu kommen. Was wir dafür fordern, ist, dass man unseren Aufopferungswillen respektiert und uns nicht ins Leere laufen lässt. Wenn man alles für einen Traum gibt, nur um herauszufinden, dass die eigenen Bemühungen am Ende nicht ernst genommen werden, ist das ein harter Schlag." Diese Art von Enttäuschung greife das Selbstwertgefühl an. Und überhaupt führe dies dazu, dass sich Junge vom Beruf Journalismus abwenden würden.

Kaum Perspektiven im ORF

Von enttäuschten Hoffnungen, Perspektivenlosigkeit und viel Know-how, das dem ORF verloren geht, weil Journalisten keine Chance auf adäquate Entlohnung und Anstellungen haben, schreibt auch Barbara Kaufmann, freie Ö1-Journalistin, in ihrem Blog. Kaufmann, die stellvertretend für viele freie Ö1-JournalistInnen um höhere Honorare kämpft, kommt zu folgendem Befund: "Dem ORF kommt sein Nachwuchs also langsam aber sicher abhanden. Und das ist für ein Medienunternehmen, das am Puls der Zeit bleiben sollte, dramatisch."

"Systemstabilisierender" Text

Für Puls4-Journalistin Corinna Milborn ist der Text des Bewerbers nicht systemkritisch, sondern "systemstabilisierend". Der Autor "fällt blind auf die Teile-und-Herrsche-Strategie zwischen jung und alt herein", schreibt sie in ihrem Blog. Wer Missstände aufdecken will, "kann das so leicht wie nie zuvor. Equipment ist billig, digitales Publizieren fast gratis". Wer heute etwas zu sagen habe, "kann das völlig ohne traditionelle Medienunternehmen tun", erinnert Milborn. (red, derStandard.at, 3./4.3.2013)

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    "Stop" heißt es für viele Nachwuchsjournalisten auf dem Weg in Richtung ORF.

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