Schweizer Abstimmung: Der Preis der Arroganz

Kommentar3. März 2013, 17:24
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Mit dem Ja zur sogenannten Abzockerinitiative haben die Schweizer mit alten Traditionen gebrochen

Die Schweizer haben ein lautes Machtwort gesprochen: Schluss mit exzessiven Zahlungen an Topmanager. Mit dem Ja zur sogenannten Abzockerinitiative haben die Eidgenossen mit alten Traditionen gebrochen. Denn üblicherweise votieren die meisten Stimmberechtigten in dem reichen Land so, wie es die mächtigen Wirtschaftsverbände wollen. An diesem denkwürdigen 3. März aber folgten sie nicht mehr den Vorgaben der Lobbygruppen. Die hatten ein Nein zur Abzockerinitiative gefordert und viel Geld in ihre Kampagne gesteckt - vergeblich.

Das Ja fiel den Schweizern angesichts der Arroganz, der Gier, der Unverschämtheit der Bosse leicht. Schweizer Konzernherren schanzen einander seit Jahren üppige Gehälter und unfassbare Einmalzahlungen zu. Gleichzeitig setzen sie scharenweise Normalverdiener vor die Tür.

Der Boss der Großbank Crédit Suisse strich an Boni 71 Millionen Franken ein. Der Ex-Boss des Pharmariesen Novartis sollte zu seinem Ausstieg 72 Millionen Franken kassieren - im Prinzip fürs Nichtstun. Nach einem Sturm der Entrüstung verzichtete er auf den Deal.

Die abgehobenen Manager zerstören mit ihren Riesengehältern das Vertrauen der Normalverdiener in die Marktwirtschaft. Das haben die Konzernlenker in ihrer Verblendung aber nicht erkannt. Das Beispiel der Eidgenossen sollte in Europa Schule machen. Unsere freie Wirtschaftsordnung würde davon profitieren. (Jan Dirk Herbermann, DER STANDARD, 4.3.2013)

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