Tack, Tack oder Trüh, Trüh

Kolumne3. März 2013, 16:22
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Der WM-Kehraus im Fleimstal kam gerade rechtzeitig, bevor die Grundlage jeglichen Wintersportgeschäfts via Avisio, Etsch und Po-Mündung endgültig und vollständig in die Adria abfließen konnte und die Wirte in Cavalese, Predazzo und Tesero auf der Suche nach Nachschub an billigem Vergorenen in Richtung Veneto und Friaul ausschwärmen mussten.

Die frühlingshafte Sonne zwang die Wochenendgäste aus Trento zum Ablegen der Pelze und entlockte der einen oder anderen schon aus dem Winterquartier zurückgekehrten Ringdrossel munteren Gesang. Nach "Tack, Tack" oder "Trüh, Trüh" klingt er, schreibt die in Bozen ansässige Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz in ihrem wirklich lesenswerten, aber leider nur noch antiquarisch aufzutreibenden Brutvogel-Atlas Südtirols. Er trägt den schönen Titel "Aus der Luft gegriffen". Der passt auf ein Medienereignis, wie es eine nordische WM ist.

Nicht aus der Luft gegriffen ist, dass die skandinavische, also vor allem norwegische, aber auch schwedische Begeisterungsfähigkeit für alles Nordische und für verhältnismäßig leistbare Atzung die Stimmung gerettet hat.

Auch ist wahrheitsgemäß zu behaupten, dass Österreich sportlich nicht ganz so glänzend wie vor zwei Jahren in Oslo abgeschnitten, aber für den einzigen, nun ja, Aufreger gesorgt hat. Bei den Konsequenzen gegen einen renitenten Athleten hat sich ein sonst innovativer Ausrüster eines alten Sprichworts entsonnen: "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing" - egal ob " Tack, Tack" oder "Trüh, Trüh". (Sigi Lützow, DER STANDARD, 04.03.2013)

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