Eine Vergangenheit, von der sich nicht leben lässt

1. März 2013, 18:39
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Gastgeber Italien droht Medaillenlosigkeit - Kein Geld, Medien ignorieren WM im eigenen Land

Lago di Tesero - Italiens Nordischen droht im Val di Fiemme zu widerfahren, was schon ihren Vorgängern 2003 an gleicher Stelle widerfuhr. Vor dem Abschlusswochenende stehen die WM-Gastgeber noch ohne Medaille da, während 15 Nationen schon angeschrieben haben. Vor allem die Kombinierer und die Spezialspringer waren bisher meilenweit von der Spitze entfernt.

Immerhin, die Langlaufstaffel der Herren war am Freitag knapp dran an Bronze. Schlussläufer David Hofer kam im Sprint als Vierter ins Ziel. Dass vom italienischen Quartett die Loipen-Antiquität Giorgio Di Centa die beste Leistung bot, überraschte nicht. Der 40-jährige Doppelolympionike von Turin 2006 markierte in seiner klassischen Gruppe die drittbeste Zeit und gemahnte an die glorreiche Vergangenheit des italienischen Langlaufs.

Aus der klingen Namen wie Maurilio De Zolt, Manuela Di Centa, Cristian Zorzi, Fulvio Valbusa und Giorgio Vanzetta herüber. Und Pietro Piller Cottrer. Der 39-Jährige hat in der offiziellen WM-Zeitung eine Kolumne namens "Cater Piller" und am vergangenen Mittwoch unter Tränen seinen Rücktritt erklärt.

Ebenfalls ein geschätzter Kommentator ist der Skisprungtrainer der USA, wegen der Goldmedaille für Sarah Hendrickson der erfolgreichste Italiener der WM. Paolo Bernardi (38) war ein mäßiger Kombinierer, stammt aus dem Fleimstal und scheut sich nicht, über Promikollegen wie Alexander Pointner herzuziehen.

Kein Geld, kein Interesse

Sportlich gefördert wurde er von der Guardia di Finanza, einer jener Truppen, die zum Teil unverschuldet für den Niedergang des nordischen Sports in Italien verantwortlich zeichnen. In den vergangenen Jahren kürzte die Politik die nötigen Mittel bei Polizei und Armee drastisch. Dazu kommt strukturelle Überalterung und das Desinteresse der Öffentlichkeit. Die Medien, auch die ausschließlich dem Sport gewidmeten, ignorieren die WM im eigenen Land fast völlig. Eine ferne, vage Hoffnung ist die ins Auge gefasste Bewerbung des Trentino für die Olympischen Winterspiele 2022 oder 2026. (lü, DER STANDARD, 1.3.2013)

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