Alpine nimmt Ausfahrt von Nordautobahn

1. März 2013, 18:36
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Die von Alpine und Partner betriebene Autobahn A5 hat bisher nur Verluste gebracht. Jetzt hat der Betrieb Anteile verkauft

Wien - Der vor Jahren fixierte Ausstieg der Baufirmen Alpine, Egis und Hochtief beim Nordautobahn-Konsortium Bonaventura hat Alpine auch kein Geld gebracht. Seit drei Tagen sind Alpine Bau, die deutsche Hochtief PPP Solutions und Egis aus Frankreich offiziell nur mehr mit zusammen zehn Prozent am Betreiber des A5-Abschnitts von der Wiener Stadtgrenze bis nach Schick im Weinviertel beteiligt.

90 Prozent halten nun die bisherigen Kapitalgeber RREEF (gehört der Deutschen Bank) und Meridiam Infrastructure aus Paris. Ein gutes Geschäft war die A5 nie. Die Autobahn ist erwartungsgemäß unterausgelastet. Bonaventura hat mit dem Projekt bis dato 50 Mio. Euro Verlust angehäuft. Alpine ist den Verlustbringer - früher oder später wären Kapitaleinschüsse notwendig geworden - nun los, hat dem Vernehmen nach nichts für ihre Anteile erlöst.

Bonaventura hat 754 Mio. Euro Schulden für die Errichtung der A5 angehäuft, die Rückflüsse vom staatlichen Autobahnbetreiber Asfinag sind spärlich. Deshalb hat die Ratingagentur Moody's das Vehikel zur Finanzierung erst im Sommer 2012 auf B2 herabgestuft. Ab dieser Note beginnt für ein Investment die Einschätzung als spekulativ.

In den hektischen Beratungen um die Rettung des Baukonzerns werden die Hoffnungen zusehends begraben. Selbst wenn - voraussichtlich am Montag - eine Einigung stehen sollte, dürfte diese nicht nachhaltig sein. Wie involvierte Banker meinen, gehe es derzeit in erster Linie darum, den Verkauf von drei Beteiligungen über die Bühne zu bringen. Danach, in wenigen Monaten, werde man um eine geordnete Insolvenz nicht herumkommen.

Rascher Abverkauf

Der derzeit noch knapp 15.000 Mitarbeiter zählende Konzern hat sich vor allem in Südosteuropa verhoben, wo sich die Tochter der spanischen Gruppe FCC in ruinöse Preiskämpfe verstrickt hat. Hohe Verluste zehren am Eigenkapital. Mit dem Verkauf von Alpine Energie, GPS Underground Engineering und Hazet Bau sollen rund 200 Millionen in die leeren Kassen gespült werden. Dass sich der Plan umsetzen lässt, wird allerdings bezweifelt.

Voraussetzung, dass Alpine wenigstens nicht kurzfristig die Reißleine ziehen muss, ist ein Übereinkommen mit den Gläubigern bis Ende März 2015. Von denen stellte sich zuletzt die Republik als besonders hartnäckig heraus, die für 150 Millionen an Krediten haftet. Alpine wünscht sich ebenso wie von den Gläubigerbanken einen Verzicht von 30 Prozent, den die Finanzprokuratur ablehnt. Der "Anwalt der Republik" vertritt wie berichtet die Auffassung, dass die Garantie nur im Insolvenzfall gezogen werden könne. Neben der direkten gesetzlichen Vorgabe werden zudem beihilferechtliche Probleme als Grund dafür genannt, dass ein Verzicht des Bundes nicht möglich sei. Daher scheint jetzt eine Alternative auf dem Tisch zu liegen, bei der der Bund aktuell nicht betroffen wäre, sein Risiko aber im Falle einer Insolvenz voll schlagend werden würde.

Praktisch zahlungsunfähig

In diese Richtung deutet derzeit einiges. So könnten in den nächsten Monaten noch Haftungen entworren, Projekte fertiggestellt, Bereiche geschlossen und die genannten Beteiligungen verkauft werden. Das wäre im Falle einer sofortigen Insolvenz schwierig, weil qualifizierte Mitarbeiter den Konzern rasch verlassen könnten.

Laut Bankern muss am Montag eine Lösung schon deshalb stehen, weil Alpine bereits seit Freitag praktisch zahlungsunfähig gewesen sei. Mit an Board ist mittlerweile auch der französische Kreditversicherer Coface, wie die für Zentraleuropa zuständige Risikomanagerin Gabriele Düker erklärt. Coface habe am Donnerstag ein Angebot zur Verlängerung des Stillhalteabkommens gelegt. Darin enthalten sei die "Zusage, die Sanierung der Alpine mit einem definierten Betrag zu begleiten". Zu hören ist, dass Coface den bisherigen Garantierahmen über 85 Millionen Euro aufrechterhalte. Zu einem Forderungsverzicht könne es schon deshalb nicht kommen, weil der Kreditversicherer die Garantien ohnehin erfüllen müsse, meint Düker. (ung, gra, cr, as, DER STANDARD, 2.3.2013)

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    Autobahn im Weinviertel - keine lukrative Sache.

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