Japans "Hundertjähriger Krieg" gegen Zombies

1. März 2013, 17:55
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Japans Ministerpräsident Shinzo Abe will die Wirtschaftskrise beenden. Dafür muss er vor allem die maroden Banken reformieren

Tokio/Wien – Japan Premier kämpft gegen einen übermächtigen Gegner, den größten Finanzzombie der Welt. Shinzo Abe will die Post privatisieren. Doch statt Briefmarken und Poststempel geht es beim japanischen Finanzkonzern Japan Post vor allem um eins: viel Geld.

Mehr als 2000 Milliarden Euro an Spareinlagen schlummern in dem Finanzriesen, kein anderes Unternehmen hat so viele Kredite in Japan vergeben. Und mit niedrigen Zinsen hält die Post hunderte marode Firmen am Leben, Zombies, untote Unternehmen, die sich "mit günstigen Krediten von Quartal zu Quartal schleppen", wie ein Banker sagt. Die japanische Notenbank unterstützt diese Entwicklung. Seit 1995 liegt der Leitzins unter der Marke von einem Prozent, als Reaktion auf eine geplatzte Immobilienblase.

Bereits vor zehn Jahren, inmitten der Bankenkrise in Japan, wurde die Privatisierung des Postal Office von Bankern als "Hundertjähriger Krieg" bezeichnet. Die Pläne dazu wurden allerdings 2007 zunächst auf Eis gelegt, vor allem auf Druck der mächtigen Post, die einer der wichtigsten Gläubiger des japanischen Staates ist. Doch bis 2016 soll das Finanzunternehmen nun privatisiert sein, hat Japans neuer Ministerpräsident Abe angekündigt. Mit dem Erlös will die regierende Partei der Liberaldemokraten Projekte zum Wiederaufbau nach der Tsunamikatastrophe finanzieren.

Abe hat vor allem für seine Vorstellungen zur Geldpolitik und seinen Forderungen nach einem schwächeren Yen international Aufmerksamkeit erregt. Seine Nominierung von Haruhiko Kuroda als neuen obersten Notenbanker war mit Spannung erwartet worden. Doch Ökonomen hoffen auch auf positive Effekte für die Wirtschaft, wenn Japan sein Bankensystem reformiert. Takeo Hoshi ist einer der schärfsten Widersacher der Zombies. Seit zwei Jahrzehnten schreibt der Ökonom, der jetzt an der Stanford University lehrt, gegen die mangelnde Produktivität und den Reformstau in Japans Finanzindustrie an.

Ein zombiefreies Japan

Sein Fazit ist klar: Innovation und Wachstum werden von den Zombieunternehmen beeinträchtigt. Denn Banken geben besonders ihren bestehenden, aber maroden Kunden (den Zombies) Kredit, nicht aber jungen Unternehmen. In Studien kommt Ökonom Hoshi zu dem Ergebnis, dass drei von zehn Unternehmen in Japan künstlich am Leben gehalten werden und das Wachstum Japans damit blockieren.

Doch auch Japans Banken selbst sind alles andere als das blühende Leben. Seit 1990 ist ihr Kreditvolumen an Unternehmen und private Haushalte im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung gefallen (siehe Grafik). Die Neukreditvergabe ist zudem drastisch gefallen. Bis zuletzt haben faule Kredite an Immobilienentwickler und Baukonzerne ihre Bilanzen belastet. Richard Werner, Ökonom an der britischen Southampton University, etwa kritisiert, dass die Versuche der japanischen Notenbank, die Wirtschaft zu unterstützen, "immer wieder im Finanzsystem stecken geblieben sind".

Doch ein japanischer Finanzanalyst hofft im Gespräch mit dem Standard, "dass die Reform von Japans größtem Financier (Japan Post, Anm.) nachhaltige Effekte für Japans Wirtschaft hat. Doch diese Reformen sind nicht in einem Jahr gemacht". Wenn Japan seine Wirtschaft zombiefrei machen möchte, muss es aber irgendwann anfangen. (Lukas Sustala, DER STANDARD; 2.3.2013)

  • Japans Wirtschaft als Zombiezone. Ökonomen kritisieren untote Banken und Unternehmen.
    foto: epa/robichon

    Japans Wirtschaft als Zombiezone. Ökonomen kritisieren untote Banken und Unternehmen.

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