Ich wohne hier mit Nebel, Wolken und Licht

3. März 2013, 11:54
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Beate Ermacora, die Direktorin der Galerie im Taxispalais, lebt nach vielen Jahren im Ausland nun wieder in ihrer Heimatstadt Innsbruck

Beate Ermacora, die Direktorin der Galerie im Taxispalais, wohnt im Innsbrucker Stadtteil Hötting. Michael Hausenblas hat sie besucht und sah von ihrem Holzbalkon aus jede Menge Berge.

"Bevor ich vor vier Jahren wieder nach Innsbruck zurückgekehrt bin, habe ich 20 Jahre in Deutschland verbracht. Gelebt und gearbeitet habe ich in Düsseldorf, Frankfurt, Offenbach, Krefeld, Mülheim an der Ruhr und dann neun Jahre in Kiel. In meine Heimatstadt Innsbruck hat es mich wegen der Stelle in der Galerie im Taxispalais gezogen. Klar war es gewöhnungsbedürftig, wieder hier zu sein. Aber das gilt ja für andere Orte auch. In Kiel habe ich auch lange gebraucht, um mich an das Geräusch des Windes zu gewöhnen, der einem ständig um die Ohren bläst. Der wiederum fehlte mir im Rheinland.

Ich wohne in Hötting, einem alten und eher ländlichen Stadtteil von Innsbruck. Die Suche nach dieser Bleibe würde ich als Experiment bezeichnen. Ich lebte noch in Krefeld, als sich meine Mutter und eine Freundin angeboten haben, mir in Innsbruck bei der Wohnungssuche behilflich zu sein. Beide waren überzeugt, dass dieses Zuhause meinem Stil entsprechen würde. Und sie hatten recht. Ich habe zugestimmt, ohne die Wohnung vorher gesehen zu haben!

Sie ist gemietet und misst hundert Quadratmeter. Es gibt eine Wohnküche, ein Wohn- und ein Schlafzimmer, einen Arbeitsraum, der auch als Gästezimmer fungiert, sowie ein Bad – leider ohne Badewanne. Das Haus wurde in den Sechzigerjahren gebaut. Unter mir wohnt mein Vermieter, oberhalb gibt es noch zwei vermietete Garçonnièren. Ach ja, nicht zu vergessen ist auch mein sehr langer, aber relativ schmaler Holzbalkon.

Wohnen, das bedeutet für mich, dass ich mich mit Dingen umgebe, die ich gerne um mich habe. Das gilt natürlich auch für Bilder. Kunst und Leben gehören für mich zusammen. Ich glaube schon, dass man von einer häuslichen Umgebung Rückschlüsse auf deren Bewohner ziehen kann. Wobei man das wahrscheinlich eher unterschwellig wahrnimmt. Und was das Mobiliar betrifft: Ich bevorzuge eine Mischung aus Alt und Neu. Biedermeier mag ich zum Beispiel ganz gerne.

Es passt mir gut hier. Ich bin schon so oft umgezogen, und ich habe keine Lust, in nächster Zeit wieder meine vielen Bücher zu packen. Lieblingsplatz habe ich keinen, es kommt ganz darauf an, was ich gerade tue. Wenn ich lese oder Musik höre, sitze ich gerne hier im Wohnzimmer, und wenn ich koche, dann bin ich zwangsläufig in der Küche. Wobei ich sagen möchte, dass ich besser Texte schreiben kann als kochen.

Ich wollte nicht direkt in der Stadt wohnen, nicht unmittelbar von der Arbeit in die Wohnung fallen und umgekehrt. Ich will von der Welt um mich schon ein bisschen mehr mitkriegen. Außerdem fahre ich sehr gerne mit dem Fahrrad. Runter in die Galerie in der Maria-Theresien-Straße brauche ich gerade mal zehn Minuten, rauf nach Hötting circa 25.

Hier heroben kriege ich die Jahreszeiten wunderbar mit – und die Sonne. In solchen Stunden wird mein Balkon zu einem zusätzlichen Zimmer, wo ich schreibe, lese oder faulenze. Klar ist es toll, nach all den Jahren im Flachland wieder einmal die Berge zu sehen, und ich genieße den Weitblick. Das ist sicher nicht alltäglich.

Ich könnte jetzt aber nicht sagen, welcher Gipfel mir der liebste ist. Die Wolken, die hier durch das Inntal ziehen, haben es mir besonders angetan.  Ich sitze manchmal da draußen auf meinem Balkon, trinke ein Glas Wein und beobachte dieses Spiel aus Nebel, Wolken und Licht. Wenn dann noch die Sonne ins Spiel kommt, ist das schon sehr faszinierend. Dass ich ausgerechnet auch die Einflugschneise auf den Innsbrucker Flughafen vor der Nase habe, empfinde ich eher als Wermutstropfen. Aber ich will nicht schimpfen, denn schließlich bin ich froh, dass ich selbst auch von hier wegfliegen kann." (DER STANDARD, 2./3.3.2013)

Beate Inez Ermacora leitet seit 2009 die Galerie im Taxispalais in Innsbruck. Sie wurde 1956 in Wien geboren und studierte in Innsbruck. Von 1993 bis 2000 war sie an der Kunsthalle zu Kiel als Kuratorin und von 2000 bis 2002 als kommissarische Direktorin tätig. Anschließend war sie als stellvertretende Leiterin der Kunstmuseen Krefeld und von 2005 bis 2009 als Direktorin des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr tätig.

Sie hat etliche Ausstellungen konzipiert und Publikationen zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts verfasst. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die zeitgenössische Kunst.

Link

galerieimtaxispalais.at

  • Beate Ermacora in ihrem Wohnzimmer, von wo aus sie auf Innsbruck, die Skisprungschanze, eine Menge Gipfel und ankommende Flieger schauen kann.
    foto: günter richard wett

    Beate Ermacora in ihrem Wohnzimmer, von wo aus sie auf Innsbruck, die Skisprungschanze, eine Menge Gipfel und ankommende Flieger schauen kann.

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