Schon 2.000 Obdachlose im neunerhaus zahnärztlich versorgt

1. März 2013, 16:57
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"Wohnungslosigkeit birgt höheres Risiko, krank zu werden", sagt Geschäftsführer Markus Reiter

Seit 2009 bietet die neunerhaus Zahnarztpraxis in der Wiener Margaretenstraße 166 viermal die Woche kostenlose zahnmedizinische Versorgung für obdachlose Menschen. Damit schließt die Arztpraxis als einzige ihrer Art in Wien eine Lücke im Gesundheitssystem. Die ehrenamtlich tätigen Zahnärzte haben im Jahr 2012 rund 10.870 Behandlungen durchgeführt. Am Freitag wurde der inzwischen zweitausendste Patient versorgt, wie das neunerhaus in einer Presseaussendung bekannt gab.

„Besonders die Zähne leiden unter den harten Lebensbedingungen obdachloser Menschen: Zahnhygiene rückt in den Hintergrund, wenn täglich aufs Neue das Überleben gesichert werden muss“, erklärt neunerhaus-Zahnarzt Peter Reichenbach. Gerade bei Krankheiten biete das derzeitige Regelsystem oftmals keine einfach zugänglichen, bedarfsgerechten Angebote, wie Markus Reiter, Geschäftsführer des neunerhauses, betont.

75 Prozent der Wiener Obdachlosen leiden an Erkrankungen

Das Gesundheitssystem sei in einzelnen Bereichen mit den komplexen Problemlagen wohnungsloser Menschen überfordert, so Reiter: „Dabei birgt gerade Wohnungslosigkeit ein höheres Risiko, krank zu werden, denn 75 Prozent der betreuten wohnungslosen Menschen in Wien haben eine oder mehrere gesundheitliche Erkrankungen oder auch jahrelange Zahnschmerzen", so Reiter.

Bei seinen unterschiedlichen Hilfsprojekten für obdachlose Menschen ist das neunerhaus auf Spenden angewiesen, seit 2004 trägt es das österreichische Spendengütesiegel. Die Zahnarztpraxis des neunerhauses wird vom Fonds Soziales Wien subventioniert und hat einen Verrechnungsvertrag mit der Wiener Gebietskrankenkasse. (red, derStandard.at, 1.3.2013)

  • Zahnarzt Peter Reichenbach (l.) und neunerhaus-Geschäftsführer Markus Reiter (r.) freuen sich über 2.000 behandelte Patienten.
    foto: neunerhaus

    Zahnarzt Peter Reichenbach (l.) und neunerhaus-Geschäftsführer Markus Reiter (r.) freuen sich über 2.000 behandelte Patienten.

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