Führung: "Der Superheld ganz oben ist passé"

3. März 2013, 18:13
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Soziale Unternehmerin, Beraterin und Role-Model, "Humanitarian of the Year": Valerie Keller erklärt, was Leadership bedeutet

"Ich habe sehr viele Fehler gemacht, ich war jung, unsicher, ich glaubte fest an Prozesse und Methoden und habe damit viele Menschen verletzt. Heute weiß ich, dass ich eine gute Chefin bin, wenn mein Anliegen die persönliche Erfüllung der Mitarbeiter im Job ist." Valerie Keller hat - ganz amerikanisch - kein Problem damit, über ihre Irrtümer, ihre Fehler, ihr Scheitern zu sprechen.

Sie war gerade einmal 27, als sie CEO eines US-Mutter-Kind-Hilfsprogramms zum Kampf gegen Obdachlosigkeit wurde, dafür Geld auftrieb und so ein profitables Sozialunternehmen daraus machte. Insgesamt spricht sie von rund 100 Mio. Dollar, die sie für verschiedene sozialunternehmerische Projekte zusammensammeln konnte. Und lacht: "Ich bin von Natur aus Unternehmerin." Dass sie die Richtigen zusammenbringen kann, hat sie dann auch nach dem Hurrikan Katrina bewiesen, als sie über 300 Organisationen für den Wiederaufbau gebündelt hat. Seit 2009 hat Valerie Keller ihre Veritas Partnership, ein Unternehmen, das im Schwerpunkt Unternehmerinnen hilft, ihr Business aufzustellen und mit sozialem Impact zu arbeiten.

Das ist das große Anliegen dieser Frau, die mit Leidenschaft das Unternehmertum vertritt. "Soziales Unternehmertum" will sie gar nicht mehr sagen, denn das sollte doch wohl "Normalität" sein, im Business ein soziales Anliegen zu verwirklichen. So definiert sie auch ihre Leadership-Aufgaben: "Ein größeres Gemeinsames" zu erzeugen. Das tut sie glaubhaft und mit hoher Wirksamkeit in ihren vielen Projekten, und dafür ist sie mittlerweile auch vielfach ausgezeichnet worden, etwa als Young Global Leader beim Weltwirtschaftsforum in Davos oder als eine von "20 under 40", einer Plattform von JPMorganChase, welche die besten Jungen als Vorbild für Leadership der Zukunft herausstellt. Und dafür spricht Valerie Keller auch unermüdlich, kürzlich in Wien bei der Zukunftskonferenz Create 32 (www.create32.at).

"Top-down"-Perspektive

Viele Topmanager seien in ihren Rollen und ihren Zielvorgaben gefangen und hätten noch immer diese "Top-down"-Perspektive, den Ansatz von " Command & Control": "Dabei wird vergessen, dass wir alle Menschen sind, die Erfüllung im Job wollen." Natürlich, fügt sie hinzu, rede sie da von einem "Developed-World-Thema. Die Leute an der Spitze hätten dafür zu sorgen, dass sich das Leben der Menschen und der Gemeinschaft verbessert. So könne man auch am wirksamsten Katalysator für die Zielerreichung sein.

Der Superheld ganz oben, der nach ganz unten durchregiert, sagt sie, sei jedenfalls passé. Für sie als junge CEO sei es sehr befreiend gewesen, in Meetings auch zu sagen: "Ich weiß es nicht." Und: Mit ausgefahrenen Antennen lernend durch den Tag zu gehen sei grundlegende Haltung und Basistugend geworden. Ursprünglich, erzählt sie, habe sie als jüngstes von sieben Kindern kein Problem damit gehabt, richtig "bossy" zu sein. Die folgenden Jahre haben sie allerdings anderes gelehrt.

Apropos: Die ständige Verbindung zur Academia ist ihr auch ein Anliegen - ihren Mid-Career-MBA hat sie in Oxford gemacht, sie sitzt in diversen Boards und ist unter anderem Associate Fellow an der Said Business School. Selbstbeschlagwortung in Kürze: "Energetisch, intensiv, unternehmerisch, kreativ, warm und offen." (kbau, DER STANDARD, 2./3.3.2013)

  • Verbindende soziale Unternehmerin: Valerie Keller ist vom Auftrag der Leadership, für ein besseres Gemeinsames zu sorgen, fest überzeugt und lebt es in ihrem Business vor.
    foto: standard/urban

    Verbindende soziale Unternehmerin: Valerie Keller ist vom Auftrag der Leadership, für ein besseres Gemeinsames zu sorgen, fest überzeugt und lebt es in ihrem Business vor.

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