Weltweit verbreitete Pflanze hatte anderen Ursprung als gedacht

2. März 2013, 17:22
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Wiener Wissenschafter untersucht die winzigen fossilen Pollenkörner von Wasserähren

Wien - Wasserähren (Aponogeton) sind vor allem als beliebte Aquariumspflanzen bekannt. Sie kommen vor allem in tropischen und subtropischen Breiten vor - früher lebten sie aber auch in Regionen, die viel weiter nördlich liegen. Fossilienfunde geben jetzt auch Aufschluss über den Ursprung und die weltweite Verbreitung dieser zwischen 45 und 65 Arten zählenden Wasserpflanzen.

Zurück zum Ursprung

Dazu gab es bisher zwei Theorien: Die eine sah den Ursprung in Australien, die zweite in Madagaskar. Mithilfe fossiler Pollenkörner haben Fridgeir Grimsso und Reinhard Zetter vom Institut für Paläontologie der Universität Wien nun nachgewiesen, dass die beliebte Aquariumspflanze bereits in der späten Kreidezeit, vor ca. 82 Millionen Jahren, ihren Weg um die Welt angetreten hat - und zwar von Nordamerika aus.

Grimsson hat Pollenkörner von fossilen und von heute lebenden Wasserähren verglichen, die in 82 Millionen Jahre alten Sedimenten aus den USA gefunden wurden. Außerdem konnte er dieselben Pollen in 46 Millionen Jahre alten Sedimenten aus Kanada sowie in ca. 42 Millionen Jahre alten Sedimenten aus Westgrönland entdecken.

"Das sind die ersten verlässlichen Fossilien der Wasserähre. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Pflanze in der Kreidezeit und im Paläogen eine viel weitere Verbreitung in der nördlichen Hemisphäre hatte, als heute", erklärte Grimsson (Anmerkung: Das Paläogen war die erste Hälftge der Erdneuzeit, etwa von 66 bis 23 Millionen Jahren vor unserer Zeit). Die Wissenschafter gehen davon aus, dass die Wasserähre ursprünglich aus Nordamerika kam und sich über Asien, Australien und Afrika ausgebreitet hat.

Leicht zu übersehen

Den Grund dafür, warum die fossilen Pollenkörner der Wasserähre erst jetzt entdeckt werden konnten, orten die Forscher in der Untersuchungsmethodik. "Die Pollenkörner der Pflanze sind sehr klein, vermutlich wurden sie deshalb mit der üblichen angewendeten Methodik, der Lichtmikroskopie, übersehen", meinte Grimsson. Am Paläontologischen Institut der Uni Wien verwenden die Wissenschafter dagegen zusätzlich ein Rasterelektronenmikroskopie, das wesentlich höhere Vergrößerungen bis zum 20.000-fachen und damit auch eine Untersuchung der feinen Oberflächenstruktur der Pollenkörner erlaubt.

Die Forschungsarbeit ist ein erstes Ergebnis eines vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projektes, in dem die Wissenschafter den Ursprung bestimmter Pflanzen der temperierten Zone in subarktischen und arktischen Gebieten nachweisen wollen. Funde von ca. 50 Millionen Jahre alten Buchen- und Eichenpollen aus Grönland, deren Mutterpflanzen unter anderem in heutigen temperierten Gebieten wachsen, sind eine Grundlage für diese Theorie. (APA/red, derStandard.at, 2. 3. 2013)

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